00:00:15: Willkommen zu Goldstaub, der zwanziger
00:00:17: Jahre Podcast.
00:00:19: Glanz, Gold, Staub und
00:00:21: Dreck.
00:00:21: Dekadenz, Armut, Asphalt und Licht.
00:00:25: Anne Krasting von Zeitreisen Und Helseedestahl
00:00:28: von Bohem Sovage
00:00:29: Nehmen euch mit auf eine Zeitreise in die Weimarer Republik!
00:00:33: Sie ist
00:00:34: mondän,
00:00:34: verrocht, radikal,
00:00:37: modern
00:00:38: und bittersüß.
00:00:39: Tanzt mit uns auf dem Vulkan.
00:01:15: Ah, die Fashionola.
00:01:15: Wer kennt sie nicht aus dem Film der Blauer Engel?
00:01:18: Gesungen von der wunderbaren Marlene Dietrich?
00:01:20: Die Musik ist von Prädich Holländer und Musiker-Komponist Schöpfer von Grandiosen Und bis heute unvergessenen Melodien.
00:01:30: um ihn soll es heute gehen.
00:01:32: in ja Liebe Eise Ja
00:01:33: unserer sechsten fünftigsten Folge von
00:01:36: Goldstaub.
00:01:37: Herzlich willkommen!
00:01:38: Wir haben nämlich gleich mehrere Gäste hier heute.
00:01:40: Ja, da hatten wir zum einen Inka Paar.
00:01:42: Herzlich willkommen Inka!
00:01:43: Halli hallo!
00:01:44: Du bist Schauspielerin, Sängerin und auch Autorin eines ganz besonderen Buches zu Friedrich Holländer aber darüber erzählen wir später mehr.
00:01:53: Und Inka hat noch – wie sagt man sie?
00:01:55: Ihre bessere Hälfte mitgebracht, ihr Mann Roger, ebenfalls Sänger der vor allem einen berühmten Sänger sozusagen die Stimme nicht entzogen hat aber sie verkörpert.
00:02:06: Lieber Roger gibt immer kurz ein bisschen was zum Besten von deinem Können.
00:02:14: Okay wir wissen leider Bescheid!
00:02:15: Vielen Dank Roger.
00:02:17: das Frank Sinatra Ja ihr seid beide Sankteams oder auch Schöpfer des Ressorts mit Spelliner Vokafonika
00:02:25: Ja.
00:02:25: Das stimmt!
00:02:26: Wir hatten im Jahr zwei Tausend achtzehnt die Idee, dass der Mann jetzt auch mal wieder Deutsch singen soll nachdem er dreißig Jahre Sinatra von sich gegeben hat.
00:02:35: und ich hatte mich schon eine ganze Weile mit dieser Musik beschäftigt.
00:02:37: und dann dachte man ja wir trudeln in die Zeit hinein und haben gesagt gut jetzt ist das soweit jetzt machen wir ein gemeinsames Projekt und haben uns ganz großartige Mitstreiterinnen gesucht.
00:02:49: um Mitstreite und seit Zwei Tausend Zwanzig sind wir mit dem Berliner Vokafonikan auf unterwegs, die sich eben auf die Musik der Zwanzigerjahre fokussiert haben.
00:03:00: Und dann Arne?
00:03:01: Wir befinden uns ja heute nicht alle zusammen auf unserem Goldstaubsofa sondern in einer Schatzkammer!
00:03:09: So könnte man das sagen, oder?
00:03:11: Ja wir sind ja auch nicht schwerstbar hier.
00:03:13: Ne!
00:03:13: Wir befinden uns inmitten der wunderbaren Shellac-Sammlung von Stefan Butte unsere Musikexperten den ihr alle schon in vielen Folgen hören und bewundern durftet für seine Kenntnis all dieser Musik und natürlich auch Friedrich Holländer
00:03:30: Ui, immer diese superlative.
00:03:31: Vielen Dank!
00:03:32: Ja willkommen über den Dächern von Schöneberg an einem Sommertag, den man hier drin natürlich auch spürt.
00:03:40: aber das Mineralwasser soll uns über den Weg helfen und die Musik versüßt den Durst.
00:03:45: Die
00:03:45: Musik ja eigentlich gibt es doch nicht schönere Stellen.
00:03:48: Uns vor Sommerfrische.
00:03:49: wir sind in einem Sternkorb am Ostsee und haben unser Grammophon dabei und dann würden wir natürlich Friedrich Holländer spielen?
00:03:57: Na der bleibt nicht aus, ja.
00:03:59: Und zwar wäre dann natürlich toll eine Nummer die ihr für Lilian H.W in USA komponiert hat.
00:04:03: sie macht nämlich einen Hollywood-Film.
00:04:05: dieses Stück heißt Eskimo Eis und das wär jetzt beim Wetter genau das passende!
00:04:10: Friedrich Holländer wie seid ihr eigentlich auf Friedrich Hallender gestoßen oder wie ist er zu euch gekommen?
00:04:16: Ich kann jetzt nicht genau den Tag sagen oder das Erlebnis aber ich habe mich einfach schon extrem früh angefangen für die Kultur interessieren, auch begründet durch meine Großmutter und irgendwann fiel mir auf dass ich irgendwie immer wieder bei Friedrich Holländer hängen blieb.
00:04:35: Und da ich vom Schauspiel komme habe ich mich einfach wahnsinnig schnell in seine Art von Geschichtenerzählung verliebt also das er es schafft in so kurzer Zeit zu wundervolle Figuren zu schaffen und so wundervoll kleine Geschichten zu erzählen in die man sich als Schauspillerin bestens reinfallen lassen kann.
00:04:55: ja
00:04:55: Und Geschichte erzählen ist ja auch das Stichwort zu dem, was du uns mitgebracht hast.
00:05:00: Genau!
00:05:01: Ich schreibe auch Kinderbücher seit einigen Jahren und konnte jetzt zum hundertdreißigsten Geburtstag von Friedrich Holländer – das ist jetzt im Oktober zwölfundsechzechsundzwanzig – mein Verlag dazu überreden oder ich musste ihn gar nicht so überrede sondern habe ihn sofort überzeugt dass es eine hervorragende Idee ist, dass wir einen Kinderbuch über sein Leben schreiben Und da sind ganz großartige Illustrationen drin von Hendrik Jonas.
00:05:27: Das Besondere an dem Buch ist, das sind QR-Codes drin und über diese QR-Coats kann man sich auch einige Lieder von ihm anhören die wir mit unserem Ensemble eingespielt haben.
00:05:39: Aha!
00:05:40: Schick.
00:05:41: Ja, wir warten sehnsüchtig auf das Erscheinen dieses Buches.
00:05:45: Am neunten September!
00:05:47: Wir durften ja schon einen kleinen Blick reinwerfen und ich muss sagen... Ich war auch von den Illustrationen extrem begeistert weil die haben so ein bisschen so'n Groschstil also wirklich an die zwanziger Jahre Karikatur-Karikaturisten angelehnt.
00:06:01: Und dann deine Texte.
00:06:02: dazu habe ich schon ein bisschen durchgestöbert.
00:06:03: Das ist nicht nur für Kinder ein famoses Vergnügen.
00:06:07: So war es natürlich auch gehofft oder gedacht
00:06:10: Und meine Beziehung zu Friedrich Holländer begann eigentlich schon im frühen Jugendalter.
00:06:16: Da waren nämlich Gedichte, im Schulbuch Literatur siebte acht oder neunte Klasse also neben Holländer natürlich auch Mehrring Brecht Tucholsky und so weiter und das hat mich schon sehr, sehr fasziniert.
00:06:29: musikalisch bin ich dann auf ihn gekommen durch meine Dafür als die erler erste Freundin, ich weiß nicht jedenfalls sagen die.
00:06:36: Ich weiß nicht zu wenig Gehöre!
00:06:39: Ich bin doch zu schade für einen allein.
00:06:41: okay da bin ich erst mal stutzig geworden.
00:06:46: Ja für mich gab es Friedrich Holländer nicht auch unbedingt eine Initialzündung sondern schon als Kind als Schellagplattensammler stolpert man irgendwann über Stücke dann steht irgendwie Holländer Nelson drauf Dann hört man sich die an und dann kommt nämlich genau das Zutage, was Inka gerade erwähnte.
00:07:03: Es kommt eine Geschichte!
00:07:05: Ich bin das Nachtgespenst, ein süßes Nachtgespänster also eine Co-Produktion von Rudolf Nelsen und Friedrich Hollender.
00:07:10: Da habe ich gleich zwei super tolle Namen miteinander vereint.
00:07:13: Es kommen die unglaublichsten Interpreten auf einmal zu Tage, die einen ja als junger Sammler auch sehr interessieren.
00:07:21: Die russische Schauspielerin Anas, den singt – ich weiß nicht so wem ich gehöre – die wunderbare österreicherin Greta Keller säuselt wenn was wünschen dürfte, wie ich finde besser als Marlene Dietrich.
00:07:31: Aber Marlene Dietrich taucht natürlich auf!
00:07:33: Und dann kommen diese ganzen Filme und auf einmal ist dieser Name Friedrich Hollender auch mit Filmen verbunden.
00:07:38: Und dann denke ich so, wow!
00:07:40: Diese Filmen, die da sind ja toll.
00:07:41: jetzt möchte ich dem Original haben.
00:07:43: Jetzt kriegte ich das leider nicht im Original.
00:07:45: also blöderweise nimm dich in acht verblonden Frauen Rückseite.
00:07:49: Ich bin von Kopf du suchst auf Liebe eingestellt.
00:07:51: es eine Platte mit der kann man eigentlich Marktplätze pflastern.
00:07:53: aber die war auch schon in den siebziger Jahren sehr begehrt und deshalb immer teuer.
00:07:57: und ich hatte kleines Taschengeld und kaufte dann eine Instrumentalversion davon.
00:08:02: Nicht wissen, dass die eigentlich viel besser und viel seltener sind.
00:08:04: Es waren nämlich die Weintraub-Syncopäters!
00:08:06: Und dann erfuhr ich später... Das war auch noch die Band von Friedrich Holländer.
00:08:09: also Friedrich Holander ist einfach unvermeidbar der begegnete einem andauernd.
00:08:15: Was mich total fasziniert ist das literarische Werk von ihm.
00:08:19: Also ich meine es kriegt man ja mit durch die Texte die er geschrieben hat.
00:08:22: das haben wir ja doch gar nicht erwähnt als er war Komponist.
00:08:25: aber er hat ja auch diese Besonderheit Dass er die Textes selber geschrieben hat Und das finde ich schon, also auf beiden Ebenen so ein Genius an den Tag zu legen ist wirklich besonders.
00:08:36: Und er hat ja auch wirklich dann später eine Romane geschrieben und davor auch Gedichte geschrieben und die in den schon in den Zehnerjahren veröffentlicht.
00:08:43: Das sind also...das ist so ein Gesamtwerk was mich einfach komplett flasht!
00:08:47: Ja?
00:08:49: Ja und dazu kommt ja auch noch, dass er wahnsinnig jung war als er mit all dem angefangen hat.
00:08:53: Aber dazu kommen wir gleich...
00:08:54: Ja herrlich!
00:08:54: Wir sind ja schon mittendrin also haben schon sehr viel erfahren über diese Person Fredrich Holländer und wollen aber euch die Büro-Nurren natürlich ein bisschen mitten hineinziehen in das Leben von Beginn an.
00:09:07: Und ja lasst uns doch mal reisen dann seine Kindheit.
00:09:11: Wo ging hier los?
00:09:12: Wie verliefen die ersten Jahre von Fredrich?
00:09:14: Also Friedrich Holländer ist erstaunlicherweise nicht in Berlin geboren, sondern in London.
00:09:19: Seine Eltern Rosa Perl war damals Sopranistin und der Vater Victor Hollander ein ganz wichtiger Komponist bzw.
00:09:27: später wurde er dann ein richtiger wichtiger Kmponist.
00:09:30: Die hatten zu diesem Zeitpunkt einen Engagement im Zirkus Und die Mutter also Hochschwanger Drellate wilde Lieder auf einem Kameeldar herreitend.
00:09:43: Also bis kurz vor der Geburt?
00:09:45: Ist das wirklich Bezeugen mit dem Kameel oder Drummel da?
00:09:47: Es sind ja, glaube ich, eine Beschreibung dieses Gürtels.
00:09:50: Ja, ich habe auch schon mal von den Elefanten gehört!
00:09:52: Ich weiß nicht so richtig.
00:09:53: was ist da jetzt?
00:09:54: Müttenbildung aber es ist ja Wurst.
00:09:55: Auf jeden Fall ist es ne ganz
00:09:56: tolle
00:09:57: Geschichte und... Und belegt soll wohl sein nach Aussage vom Julius Friedrich, nämlich dass die Mutter wirklich bis kurz vor der Geburt auf diesem hohen Tier daher ritt und sang.
00:10:12: Da war er so circa drei Jahre alt, sind jetzt zurück nach Berlin gekommen in den Schoß der großen Familie.
00:10:20: Vater hatte zwei sehr bekannte Brüder Felix und Gustav, der eine war ein wichtiger Musiker.
00:10:27: Der war dann auch beim Sternischen Konservatorium und der andere Bruder war Dramaturk bei Max Reinhardt.
00:10:33: also die waren da schon fett im Kulturbusiness drin.
00:10:39: Er hat ja dann noch zehn Schwestern von dem man nicht so viel weiß aber sprich es war eine riesige große jüdische Familie.
00:10:50: Die Atmosphäre muss sehr frei und liberal und kulturliebend gewesen sein.
00:10:55: Und mit diesem Selbstverständnis für Kultur, und für Literatur so ist er aufgewachsen.
00:11:04: Ja, Victor Holländer, tolles Stichwort!
00:11:06: Der war ein sehr berühmter Komponist hier in Berlin – und zwar war er zuständig unter anderem für die Zeitrevünen im Metropoltheater.
00:11:16: Und das war also was sehr besonderes, was er damit erfunden hat.
00:11:19: Man hat am Ende des Jahres das Jahr noch mal Revue passieren lassen.
00:11:23: Deshalb eine Jahresrevue und dort wurde jeder vergack eiert und verarscht.
00:11:27: Also bis hin zum Kaiser sind sie alle im Metropoltheater wirklich auf die Schippe genommen worden – die Berliner Gesellschaft bis hin zu preußischen Adel.
00:11:36: Victor Holländer war dadurch... extrem populär, immer am Gefängnis vorbeigeschrammt und einerseits extrem beliebt gerade bei den etwas aufmützigen Bürgern.
00:11:45: Und andererseits auch verhasst, bei denen er auf einen Schlitz getreten ist.
00:11:48: Also das ist schon eine ganz spannende Sache.
00:11:50: der hat so Gassenhauer ein bisschen mehr Polkerstil- und One Step Stil komponiert.
00:11:53: also das war in den zehner Jahren halt so der übliche Sound, den man machte.
00:11:58: Also er ist so schon eher in der Populärmusik unterwegs gewesen aber seine Melodien waren damals solche Gassenhauer und haben die Musik so beeinflusst dass man also auch noch neunsterdreißig Aufnahmen gemacht hat.
00:12:09: Die landen sich dann alt berlin im Tempo der Zeit.
00:12:12: Man hat also seine Gassenhauer seine Melodie mit übernommen Und dann eben auch noch jahre später gerne interpretiert unter anderen deshalb weil sein Sohn friedrich da natürlich den ruhen des vaters längst überflügelt hat.
00:13:13: Ja, so eine sehr musikalische Familie auf jeden Fall.
00:13:15: Wie beginnt denn für Friedrich die musikalischen Karriere?
00:13:17: Was spielt er und wie spielte es am Anfang?
00:13:20: Haha!
00:13:21: Er komponierte bereits mit drei oder vier oder fünf Jahren.
00:13:25: Also er war sehr früh interessiert auch an die Tasten zu kommen.
00:13:30: Es ward ihm aber verboten alleine ein Paar was Arbeitszimmer zu gehen Und einmal schlich er sich dann doch so heimlich da rein und löpfte da diesen Deckel von den Tasten und komponierte ganz fröhlich sein erstes Lied, das nannte er Rulle Rulle.
00:13:44: Und wenig später der Vater sah das auch und war auch gar nicht böse, war wahrscheinlich eher sehr stolz und hat sich gefreut dass der Bub auch Talent und Freude hat.
00:13:52: und kurze Zeit später kam dann mal eine große Gesellschaft zu den Hollinders nach Hause.
00:13:57: Ich weiß nicht, ob der als Fritzi Massari sogar dabei war.
00:13:59: Aber auf jeden Fall auch irgendwelche Theaterdirektoren.
00:14:02: und Der Bub durfte auch anwesend sein bei diesem großen Treffen weil der Vater wollte seine neuesten Komposition präsentieren Und der Bub musste aber still sein und das war er auch bis zu dem Augenblick Als der Vater Sein Rulle Rulle Vorspielte und da fing der an zu protestieren und meint es ist mein Rulle rulle mein rulle rulle Und liest sich wirklich erst dann beruhigen, als der Theaterdirektor ihm ein silbernes Zehn-Markstück mit dem Konterfei des Kaisers überreichte und sagte hier kleiner Fritz, also er wurde Fritz oder Friedel genannt.
00:14:36: Hier ist deine erste Gage!
00:14:39: Also es zeigte sich schon sehr früh, dass der junge Interesse an Musik hatte, das er begabt war.
00:14:46: Er wurde auch recht schnell als Wunderkind betitelt was den Vater nicht so ganz lieb war Und musste auch täglich mindestens zwei bis drei Stunden am Klaviersitz nun üben.
00:14:58: Er hatte einerseits das Interesse eigentlich eher ein Klassiker zu werden, also er wollte auch das was du gerade beschrieben hast über die Musik und das Leben von Victor Holländer, er wollte ihn übertrumpfen, er wollten seriöser Musiker werden.
00:15:12: und auf der anderen Seite nannte er sich selbst er einen Wunsch gerne, er möchte Musik klauen werden.
00:15:21: Was er ja dann später auch mit den Wine Drop Syncopaters sehr gut auch dann realisierte.
00:15:26: und als er so in der Jugend war da ging er immer ins Kintop also ins damalige Kino und löste die Dame am Klavier ab, damals wurden die Filme ja musikalisch begleitet.
00:15:38: Und er löste sie ab und improvisierte dann am Klavier selber und was sicherlich auch wie ihr selber sagt eine gute Fingerübung war für seine spätere Arbeit als der in der Migration in Hollywood tätig war dass er einfach die Filmen illustrierte.
00:15:53: Und dieses Improvisieren Perfektionierte war wohl auch eine ganz, ganz große oder ein ganz großes Talent seinerseits.
00:16:04: Weil seine Familie sagt ja auch immer ach Friedl improvisier doch mal so ein bisschen.
00:16:10: also da muss er ne ganz große Begabung mitgebracht haben.
00:16:14: Ja und da kommt ja gleich das Thema Geschichten und Musik zusammen Also Stummfilmen und dann dass er halt sofort interpretiert was auf der Leinwand passiert Ganz genau.
00:16:24: Ja, wir sind ja zeitlich um das mal einzuordnen in der ganz späten Kaiserzeit.
00:16:28: Nur nur kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
00:16:32: Genau, also in den letzten Jahren, was finde ich auch wirklich sehr interessant.
00:16:36: Da hatte er gemeinsam mit dem... Er war damals achtzehn?
00:16:40: Mit dem damals noch sechzehnjährigen Schüler Heinz Baruch der später der Manager von den Comedians Harminess wurde.
00:16:48: Die beiden hatten zusammen eine Literaturzeit-Schrift rausgebracht die neue Jugend und das ging so circa zwei Jahre nicht ganz so regelmäßig Aber das war ein sehr wichtiges Element zu dem Zeitpunkt noch nicht später, als sie das abgegeben hatten.
00:17:07: Wurde aber die wichtigste Literaturzeitschrift für den Expressionismus.
00:17:14: Das wurde auch eher mitinitiiert was ich total interessant finde und auch dort hat er eigene Gedichte veröffentlicht, fast romantisches oder stummt und Drangliches so haben.
00:17:29: Also überhaupt nicht diesen Humor, den man aus den späteren Texten kennt.
00:17:34: Man merkt es war noch ein sehr junger Mann der noch voller Liebe und brannte voller Liebe
00:17:39: und so
00:17:40: gab's wahrscheinlich auch nur dieses Einzige.
00:17:42: Und Verschweiflung!
00:17:43: Nicht die
00:17:44: Liebe.
00:17:46: Und er musste dann natürlich als der Krieg ausbrach.
00:17:50: Er wurde auch eingezogen hatte aber das große Glück, weil Papa Victoria nun mal so bekannt war und man auch Kontakte hatte.
00:18:02: Konnte er als musikalischer Leiter die Truppenbetreuung begleiten was natürlich ein ganz großer Glücksfall war.
00:18:11: und dann war er im eineinhalb Jahre etwa in Frankreich.
00:18:14: Er war schon an der Front, aber
00:18:17: er war nicht in Kampfhandlung.
00:18:18: Er hatte die musikalische Leitung dort am Theater, am deutschen Theater übernommen.
00:18:22: Und hat sich da auch schon so ein bisschen seine politische Richtung gezeigt?
00:18:27: Also auf jeden Fall als er zurückkam.
00:18:30: Er selber sagte dann, er liebäugelte auch eine gewisse Zeit anschließend mit den Kommunisten was dann aber... über kurz oder lang doch nicht so sein Ding war.
00:18:42: Aber auf jeden Fall hat dieser Krieg, seinen Wunsch politisch irgendwie sich zu äußern, auf jeden fall gefördert und er war dann auch zeitlebenspazifistisch eingestellt.
00:18:54: Ja Revolution in Berlin, er kommt zurück und gerät zum Mitten rein in diese wildesten Jahre der wilden Jahre also neunzehn, zwanzig, einzwanzig die haben gut umprägend waren weil da hatte Man kann sagen, eigentlich all die kennengelernt mit denen er dann später noch zusammengearbeitet hat.
00:19:11: Also man kann sozusagen sagen das, dass nineteenhundertneinzehn seine zwanziger Jahre begannen und vielleicht sogar auch so richtig sein Werk.
00:19:19: also in dem Moment begann Holländer ein Werk aufzubauen.
00:19:24: Und dann gab es dieses erste große Treffen von diesen ganzen wilden jungen Leuten Die alle was ganz ganz Neues schaffen wollten.
00:19:33: Unter anderem traf er da
00:19:37: Eine ganz besondere Person und wir werden jetzt einen kleinen Text aus seiner Autobiografie vorlesen, also der von Frittig Holländer über diese Begegnung.
00:20:04: Tucholsky schoss er als Ersten ab.
00:20:07: Darauf vier weitere Pistolen-Schüsse, Peter Panther, Ignaz Wrobel, Theobald Tiger, Kasper Hauser – die kannten wir doch alle fünf aus der Zeitschrift Die Weltbühne!
00:20:18: So sah der aus?
00:20:20: So harmlos.
00:20:21: ein braver Bürger!
00:20:22: Der ist das, der immer so zubeißt jede Woche im ruten Häftchen….
00:20:28: Da ging schon die Gründungsdiskussion weiter, etwas wurde gegründet.
00:20:32: Was das war, kam nicht ganz durch – durch den Qualm.
00:20:36: Noch einmal bitte!
00:20:38: Ein politisch-literarisches Kabarett?
00:20:41: Das erste seiner Gattung?
00:20:43: Schön, gut, fein einverstanden Aber was ist das wenn's fertig isst?
00:20:50: Politisch verstehe ich, literarisch versteh' ich.
00:20:53: Kabarett…das ist doch das, was diese Iveggilbert im vorigen Jahrhundert.
00:20:59: alle drei Sachen auf einmal.
00:21:01: Das klingt wie... Hering ist gut, Schlagsahne ist gut.
00:21:05: Wie gut muss das erst zusammenschmecken?
00:21:08: Ja!
00:21:09: Wen hat er denn noch
00:21:10: getroffen?!
00:21:13: Ich würde sagen Amos Pfeil hat ihn getroffen und zwar ziemlich rasant.
00:21:18: Es trat nämlich eine junge Dame auf die da heißt... Blandine Ebinger.
00:21:25: Und da wollen wir auch mal von dieser Begegnung aus der Retrospektive erzählen lassen Unbedingt.
00:21:30: Dann kommt ein junges Mädchen dran, die kann auch so aus dem Stegreif.
00:21:36: Ein fast zu schlankes Mädch mit einem Gesicht bleich-bleicher am Beleichsten unter dem dunklen Bubischopf.
00:21:43: Sieht aus wie der Geist von einem Geist, mimt eine Barnutte, setzt sich auf einen Barstuhl den es gar nicht gibt, kreuzt die Beine, zuppt sich den Rock bisschen hoch, gibt mir mal'n Konjagglas und flötet sich einen von der Seele!
00:21:58: So aus dem Metier, was denn da für Kunden aufkreuzen?
00:22:01: Hat man das denn nötig?
00:22:03: Klar hat man das nötigt und es sprudelt aus ihrem Mund mit einem Witz einer Beobachtungsgabe.
00:22:09: So müsste man schreiben können!
00:22:12: Wie heißt denn das Wesen?
00:22:14: Blandine – so heisst man doch nicht.
00:22:17: Doch…so
00:22:18: heißt man …Blandine Ebinger.
00:22:21: Blandime Ebinger – wunderbar!
00:22:22: Zu dieser Liebesgeschichte werden wir vielleicht noch ein bisschen mehr hören Aber erst mal rein in dieses musikalische Treffen.
00:22:29: Also es waren noch andere Leute dabei?
00:22:31: Ja, da waren Weringen dabei!
00:22:33: Da war Klappund dabei... ...da war Paul Grätz dabei und auch ganz viele andere.
00:22:38: Und die wollten etwas ganz Neues schaffen.
00:22:41: Nämlich ein musikalisch-literarisches Kabarett.
00:22:46: Stefan, kannst du uns nochmal etwas genauer erzählen?
00:22:50: das Schall und Rauch?
00:22:51: Wo war das von wann
00:22:52: bis wann...?
00:22:53: Ja, das ist ganz interessant.
00:22:54: Also in den letzten Jahren bereits eröffnet im Keller vom großen Schauspielhaus.
00:22:57: Das große Schausspielhaus wurde von Hans Pölz sich neu gestaltet und zwar im Auftrag von Max Reinhardt der dort ein großes Revuetheater eröffnen wollte Und als Co-Partner dem berühmten Eric Charell ans Land gezogen hat.
00:23:09: Charelle inszenierte dort Sachen mit den Comedian Harmonists und das weiße Rössel
00:23:13: usw.,
00:23:14: also ein ganz wichtiger Impressario, und im Keller dieses Schauspielhauses, großen Schausspielhauses fand dann dieses Kabarett statt in der Katakombe sozusagen.
00:23:24: Da ist jetzt der Josef Witz.
00:23:26: den Ort kennen wir alle aber er existiert leider nicht mehr weil dieser Ort wurde später nach dem Krieg zum Friedrichstadtperlast Und der alte Friedrichstadtpalast ist ja in den Achtzigerjahren abgerissen worden.
00:23:35: Es gibt den neuen Friedrichstadpalast, der daran anknüpfen will leider im Keller kein Kabarett mit Friedrich Holländer zu bieten hat.
00:23:42: das wäre natürlich sensationell aber immerhin man erinnert sich daran dass neben dem Berliner Ensemble halt dieser Ort war.
00:23:49: Sensationell und relativ groß.
00:23:52: Und das Spannende war, dass also die Darsteller, die oben in der Review gespielt haben und als Musicalstars aufgetreten sind dann anschließend auch Chansons im Keller, im Cabaret gesungen haben.
00:24:01: Also es war immer ein permanenter Wechsel.
00:24:03: Es gab auch einen Tanzlokal Das nannte sich Plantage.
00:24:05: Die Band aus der Review Bernhard et Tee spielte dann in einer Plantage zum Tanz Allround Merzweggebäude, das über die verschiedenen Etagen wunderbar bespielt wurde.
00:24:16: Also in einer Form wie wird es heute eigentlich vermissen können?
00:24:18: Schade!
00:24:19: Ja immerhin gibt's im Friedrichstadt-Palast ja den Quatsch Comedy-Klub.
00:24:24: Na ja, naja... Überhin!
00:24:28: Wie ging's dann weiter?
00:24:28: Wie lange ist er da geblieben und was sind die nächsten Projekte?
00:24:32: Er blieb knapp zwei Jahre Und ging dann auf jeden Fall später noch an die wilde Bühne.
00:24:37: Er hat in der Catacombe gearbeitet, auch andere Cabaretts.
00:24:41: Hat aber dazu parallel auch immer Bühnenmusik geschrieben.
00:24:44: also er hiegen da noch so ein bisschen an dem Seriösen.
00:24:48: Er wollte also immer noch vielleicht doch noch was Klassisches mit reinbringen und so.
00:24:52: Also das war wirklich einen Hans Dampf in allen Gassenen hat alles gemacht was man eben so ... Trug.
00:25:01: Er hat einfach ganz viel auf ganz viele verschiedenen Ebenen, war der tätig.
00:25:08: Der hatte dann für seinen Onkel Gustav im deutschen Theater eine Musik gemacht für so ne Silvester Revue.
00:25:16: Das ging ganz, ganz schief.
00:25:19: Das Libretto war wohl nicht ganz so der Knaller und aufgrund dessen wurde dann auch Friedrich Holländer ein ganz kleines bisschen schief angeguckt.
00:25:29: Und er verließ mal für eine gewisse Zeit Sicherheitshalber Berlin, ging nach München und hatte dort eine Inszenierung von Frank Wedekind musikalisch also komponiert.
00:25:44: Und da gab es auch so eine ganz lustige Anekdote, die er dann von der Asserve schreibt und zwar das muss dreiundzwanzig gewesen sein.
00:25:54: Da begegnete ihm in einer Konditerei bei ihm um die Ecke immer ein seltsamer Kautz.
00:26:00: Der war auch nicht so ganz unbekannt schon in München.
00:26:03: Er kam immer und bestellte sich eine heiße Schokolade mit extra viel Schlagsahne und die löffelte er dann immer so, schaufelte die so gierig in sich rein und beställte nochmal Schlagssahnen und schaufeltet die wieder rein Und die blieb dann an seinem markanten Bärtchen hängen.
00:26:19: Das war sozusagen der
00:26:21: Herr,
00:26:23: dem er zehn Jahre später das Land verlassen musste.
00:26:25: Das waren nämlich Adolf Hitler und er selber sagte auch, er ging dann einmal zu dieser Veranstaltung weil er einfach wissen wollte wie kann das sein?
00:26:36: Weil er eben bei München schon bekannt war.
00:26:41: Dann schrieb er... Da kann einer Schlagsahne essen und nur Schlagssahne, doch ein Schurke sein.
00:26:50: Das finde ich schon eine ganz interessante Anekdote.
00:26:54: Ja München!
00:26:55: Deshalb ist er wahrscheinlich wieder zurück ins Rote Berlin?
00:26:58: Er ist dann recht bald wieder nach Berlin genau.
00:27:01: Dann nahm man ihm auch diesen Misserfolg nicht mehr krummen.
00:27:05: Dann hat der verschiedene Cabaretts bedient, die wilde Bühne.
00:27:12: Da kannst du bestimmt auch ganz viel dazu sagen oder?
00:27:16: Das Problem mit der wilden Bühne ist, das ist so aufgebauscht als ganz großer Mythos.
00:27:20: Die hat es nur wenige Monate gegeben.
00:27:22: Trude Hesterberg machte im Keller vom Theater des Westens einen winzigen Raum und hatte die wunderbare Idee dass sie sagte ich kann jetzt zwar keine Gagen bezahlen aber ich bezahle meine Künstler nach verkauften Karten.
00:27:37: Und je berühmter ein Künstler oder Autor war, also Bert Brecht hat seine ersten Zuckungen in der wilden Mühne gegeben mit Liedern zur Laute.
00:27:44: Der kriegte dann halt irgendwie zwei Sperrsitze in der achten Reihe.
00:27:47: Wenn die Karten verkauft waren, kriegste er das Geld dafür.
00:27:49: aber er war auch damit zufrieden für einen Mittagessen zu singen und so.
00:27:52: Also es war alles sehr... So'n bisschen Improteater.
00:27:55: Das Problem war auch man wusste immer nicht ob die Leute, die vormittags zur Probe gekommen sind auch wirklich abends zur Vorstellung da sind.
00:28:02: Deshalb hat man dann entwickelt so handgeschriebene Programmzettel und hatte da dann irgendwie acht Nummern aufgeschrieben.
00:28:09: Und wenn die Nummer drei halt nicht erschienen ist, dann kamen halt irgendwie Trude Hesterberg vor den Vorhang und hat Nummer vier hochgehalten damit die Leute im Programm sehen konnten.
00:28:19: das ist jetzt also die Nummer vier vom Programm zettel die kommt.
00:28:21: Nummer drei fällt halt einfach aus Und das war quasi schon mal so ein Wegbereiter für einen Nummerngirl.
00:28:27: Sie hat also das Nummern-Kabarett geprägt, dass Problem mit Rudi Hissaber Kabarett war.
00:28:32: sie hatte aufgrund von Inflationen und schlechten wirtschaftlichen Zeiten hat sich keine Brandversicherung abgeschlossen und es kam durch einen technischen Defekt zu einem Schwehlbrand in der Nacht und dieses Theater ist komplett ausgeräuchert gewesen und sie konnte es nicht mehr neu bewirtschaften.
00:28:48: sie hat danach nie wieder ein eigenes Kabarett eröffnet sondern dann.
00:28:51: später kam eben wieder Friedrich Holländer und hat diese Räume übernommen und renoviert.
00:28:56: Und machte da dann seinen Tingeltangekabarett auf, aber hat dort wieder mit Trude Histerberg zusammengearbeitet!
00:29:01: Also die Kreise schließen sich dann doch immer wieder... ...und ja, Trude-Histerberg als Grand-Dame des Cabarets hatte dann das Glück, mit dem grand-senieur des Komponisten-Kabarettes mit Friedrich Holander wieder zusammenzuarbeiten.
00:29:14: Da gibt es auch schöne Plattenoffene.
00:29:15: Ja, können wir gleich mal reinhören?
00:29:16: Aber erstmal also die Kreisen schließen nicht der Ring.
00:29:18: Wir sind nochmal besucht beim Ring der Ehe.
00:29:21: Blandine ist noch am Start?
00:29:22: Wir haben nämlich gar nicht erzählt, dass die beiden dann auch geheiratet haben.
00:29:27: Weil es gibt einfach so viele spannende Geschichten zu erzählen!
00:29:30: Die beiden, wie gesagt, hatten sich ja Knall auf Falf in Nandau verliebt schon, und auch sofort geheiratsen.
00:29:36: In der Mitte des Jahres kamen dann auch die gemeinsame Tochter Filine auf die Welt.
00:29:43: Der gute Holländer hat übrigens ein relatives Glück mit dieser Inflation, weil er beschreibt das so wohl dem der Divisen hat.
00:29:52: Er hatte damals schon einen Nummer geschrieben die international bekannt war und das brachte ihm die Wiesen und sicherte ihn so auch dass durchkommt durch die Inflations ein bisschen zumindest.
00:30:05: leider hatte der eine gewisse Spielsucht und er verzockte dann auch ganz gerne mal innerhalb von einer Nacht die komplette Wohnungseinrichtung, fand Blandine Ebinger nur halbgut.
00:30:18: Und daraufhin kam es dann auch zu den Scheidungen.
00:30:23: die ganzen Jahre noch zusammengearbeitet?
00:30:25: Ja, wenn ich da kurz mal reingreffen darf.
00:30:27: Aber ich glaube es war nicht nur die Spielsucht von Friedrich Holländer sondern er hatte auch durchaus eine Sucht viele andere Frauen parallel kennenzulernen.
00:30:36: Ja aber wer hat das damals nicht?
00:30:37: zu der Zeit muss
00:30:38: man mal trafen.
00:30:38: Na gut, na gut!
00:30:39: Ich möchte
00:30:39: jetzt doch Brandine
00:30:40: hier mal kurz zitieren, die über Friedrich Holander dann sagte später Er sei ein Filou, ein Genie und ein Betrüger weil sich anfangs nicht begriff dass seine vielen Übungsstunden sehr anderen Übungen mit diversen jungen Damen galten.
00:30:57: Das muss er auch bis ins hohe Alter durchgeführt haben, diesen Lebensstil – das ist sicher nicht ganz so schön für eine Ehefrau!
00:31:06: Jetzt weiß ich nicht ob es darauf beruht, dass sie ihn kritisiert hat aber es gibt ein unglaublich tolles Chanson von Friedrich Holländer über Frauen, das Blandine Ebinger interpretiert und es passt jetzt gerade so schön da rein.
00:31:18: Ich würde sagen wir hören uns mal die hysterische Ziege an.
00:31:22: Gerne!
00:32:22: Ja, das war sie.
00:32:23: Die Blandine E-Winger von der du gerade erzählt hast!
00:32:27: Das war die Nummer...die hat er für Sie geschrieben.
00:32:29: dann nach der Trennung ja?
00:32:30: Ja ganz herrlich.
00:32:31: ihr Vortrag ist hier nun nicht einer sehr Könnenden Sängerin, aber er ist so unglaublich expressiv und hat wirklich dieses passentwisterische auch.
00:32:41: Also sie schafft es wirklich da die verschiedensten Charaktere darzustellen.
00:32:45: Berühmt war der Liederzyklus für ein armes Mädchen das Kind aus der Ackerstraße.
00:32:49: Das hat sich verkörpert.
00:32:50: Sie hat aber auch von Spuljanski dann später eine SM-Nummer gesungen.
00:32:53: Ach!
00:32:53: Er hasst dass ich ihn liebe und also völlig schräg diese Person gar nicht so richtig greifbar Und ich finde das völlig faszinierend.
00:33:00: Sie selber äußerte sich in den achtziger neunziger Jahren in einem Interview wo sie erzählte, ihr Vater war ja Nervenarzt am Hoseneck.
00:33:09: Und da hat sie als Kind schon so interessante Fälle gesehen und ich finde das hört man ja an!
00:33:15: Ja, die war ja auch schon wirklich.
00:33:17: als kleines Mädchen stand die schon auf der Bühne und hat bei ihnen in einer Ibsen ins Zinnierung mitgespielt also die Mutter-Waschauspielerin.
00:33:25: Jetzt wollen wir ja gar nicht über die Blandine großreden, aber sie war eine gestandene Schauspielerin und eine ernsthafte Schauspielerin.
00:33:31: Und das ist immer so ein bisschen komisch wenn man dann diese Songs hört oder du denkst what?
00:33:35: Es ist so schräg und so schrill!
00:33:38: Und ihre Ausbildung war ne ganz klassische.
00:33:41: Das finde ich ganz interessant.
00:33:42: Ich glaube, die haben damals einfach sich auch getraut, die Modernität auszudrücken und da einfach Experimente zu machen.
00:33:49: Das war ja alles neu!
00:33:51: Es gab noch keine Begriffe dafür, es gab noch kein Wörter dafür – das war noch nichts definiert.
00:33:55: Und alles was auf die Bühne kamen, war erstmal ein Skandal.
00:33:58: Du konntest in so viele neue Charaktere rein schlüpfen und die verkörpern wo es einfach keinen Begriff für gab.
00:34:03: also ich glaub mal... Vor-Ninzehnten, Neunzehnzehn-Zwanzig wird kein Mensch von der hysterischen Ziege gesprochen haben und diese Assoziation zu Ebinger Hollender gehabt haben.
00:34:12: Sondern das war dann vielleicht... Irgendwie ein Schimpfwort, du bist eine Hagere Ziege oder so.
00:34:16: Aber dieser Begriff auf einmal diesen Nerv, diesen Zeitgeist der Nachkriegszeit nach dem Ersten Weltkrieg traf das die Flappergirls mit rein kamen, dass die Jazzmusik mit reinkam.
00:34:26: Das andere Kabarettistinnen, die ja teilweise als zu Bretten angefangen haben in der Operette Trude Hesterberg, wir erwähnten sie bereits ne?
00:34:34: Die in diesem Dunstkreis gehörte auch mit ihrem eigenen Kabarett.
00:34:37: Dass so eine Leute dann einen Durchbruch hatten und auch wirklich das literarische und politische darstellen konnten, ist ein Phänomen der Urbanität der frühen Nachkriegszeit der Zwanzigerjahre.
00:34:47: Dieser erwähnte Dunstkreis um Friedrich Holländer, was mit dem Schall-und-Rauch seinen Höhepunkt schon fand oder seinen ersten Höhelpunkt wurde natürlich noch fortgesetzt über viele Jahre und diese Leute sind sich ja immer wieder begegnet und haben miteinander kooperiert.
00:35:02: Und wir wissen ja, dass Friedrich Holländer zum Beispiel auch befreundet war mit Werner Richard Heimann und die beiden gemeinsam dann für Trude Hesterberg Schaus ausgeschrieben haben.
00:35:13: Texte von Walter Meering vertont haben von Kurt Tuchholzki, von dem wir ja wissen das er auf Schaltplatte dann auf einmal Theobald Tiger heißt steht wirklich auf der Platte drauf.
00:35:21: So habe ich jetzt mal ein Stück von Trude Hästerberg rausgesucht wo sie Hollinder und Theobal Tiger interpretiert.
00:35:28: Sie nunmehr heißt Die Herren Männer
00:36:29: Ja, Werner Richard Heimann.
00:36:31: Ich glaube jetzt den Moment bekommen wo wir mit dem Telefonhörer tätigen das vor allem vom Amt vielleicht bemühen und jemand versuchen zu erreichen der über Werner Riccard Heimmann auf jeden Fall etwas erzählen kann.
00:36:51: Hallo Elisabeth!
00:36:53: Hallo,
00:36:55: hallo
00:36:57: Berlin grüßt!
00:36:57: Das
00:36:59: ist der Neine
00:37:00: hör ich?
00:37:01: Nein, ich habe neben mir Eise dann gegenüber
00:37:06: Inka Parst, hallo wir sind uns neunig begegnet.
00:37:12: Hallo Inka!
00:37:13: Ja Roger, ihr Mann und Stefan Wutte.
00:37:18: Hallo Elisabeth.
00:37:19: Ah, das Dream Team ist zusammen sozusagen.
00:37:23: Mit dir komplett?
00:37:24: Ja genau
00:37:25: jetzt bist du auch dabei.
00:37:29: Liebe Elisabet, du bist gerade in München.
00:37:30: Elisabett traut Weinheimern.
00:37:32: Du bist gerade im München oder?
00:37:34: Nein ich bin in Salzburg, ich bin am Wolfgangsee.
00:37:40: Das sind wir ein bisschen neidisch.
00:37:52: Lisa Bett, magst du uns kurz erzählen wie dein Vater Werner Richard Heimann auf Frerich Hollender gestoßen ist?
00:37:59: Wie die sich kennengelernt haben.
00:38:01: Und haben dann, also
00:38:02: war
00:38:02: offensichtlich unter Anführungsstrichen lieber auf den ersten Blick.
00:38:15: Sie hat sich gut verstanden und waren ja gleich alt.
00:38:17: Sie sind im gleichen Jahr
00:38:19: geboren
00:38:20: und haben dann angefangen auch zusammenzuarbeiten.
00:38:24: in Berlin, im Schall-und-Rauch waren sie beide musikalische Leiter und haben jeden Abend am Klavier.
00:38:31: Irgendwann haben sie gesagt, wir brauchen einen dritten Tiernisten.
00:38:35: Das ist so anstrengend und haben dann Mishas Boyanski mit ins Boot genommen.
00:38:41: Da war das Priumvirat komplett.
00:38:45: Mishaz Boyansky, er war ja ein hervorragender Pianist und hat mit einem Cousin eines Fahrtys eine Musikverlag gehabt.
00:38:54: Dieser Cousins weiter Heimann
00:38:57: hat eben dann Misha Boyanskie
00:38:58: mit ins Boot geholt.
00:39:01: Weiter ging die gemeinsame Arbeit dann in der wilden Bühne, wo mein vatermusikalischer Leiter war.
00:39:09: Aber sowohl Spoljanski als auch Holländer oft eben da mit ihren Liedern aufgetreten sind.
00:39:17: Ja und dann ging mein
00:39:19: Vater
00:39:19: ja über die Stummfilme zum Tonfilm.
00:39:30: Das Ganze ging sehr gut bis dreiunddreißig, wo eben beide dann fluchtartig Deutschland verlassen mussten.
00:39:38: Es gingen beide nach Paris.
00:39:40: Hollender war schon etwas früher in Hollywood mein Vater erst zehnunddreißig aber auch dort hatten sie ihre Arbeit weiter, ja Zusammenarbeit weiter fortgeführt und haben ihn zwei Lohwitschfilmen die Musik kreiert.
00:39:58: Eine war Angel mit der Marlene Dietrich und das andere war Bluebird et Wife, da haben beide die Musik dazu geschrieben.
00:40:08: Holländer hat auch versucht weiter Kabereimusik zu machen
00:40:12: und hat natürlich
00:40:13: auch sehr viel wegen Musik geschrieben.
00:40:16: wie mein Vater ist auch da viele viele Parallellen.
00:40:20: Und dann haben sie sich ja in München wieder getroffen.
00:40:23: und da komme ich ins Spiel weil Er kannte Friedrich Holländer so von klein auf, weil er wirklich oft bei uns war.
00:40:31: Ich bin ja in München aufgewachsen, in Salzburg geboren aber in Münchel aufgewachsen und da war Holländer auch.
00:40:37: Und er
00:40:38: war eben sehr, sehr oft bei usw.
00:40:40: Es ist schon für mich auch berührend.
00:40:43: Er war ein inniger Freund meines Vaters, aber ich bin eigentlich soweit.
00:40:46: Ich weiß die einzige, die ihn noch lebt, die ihm persönlich kannte.
00:40:49: Das ist einfach niemand mehr da!
00:40:53: Diese Zusammentreffen waren immer auch musikalisch.
00:40:58: Ich habe mir als Kind gar nicht vorstellen können, worüber reden Leute die nicht Musik machen?
00:41:03: Weil es ging bei uns fast immer um Musik und wir hatten einen Bechsteinfrügel der stand in Zimmerwo sich alles getroffen hat wo man auch gegessen hat und es hat kein Essen gegeben wo nicht irgendwer ausgesprungen ist Das Musikspiel über das Gesprächen wurde ihm dann auch am Klavier intoniert hat.
00:41:25: Und insofern habe ich da klangvolle, frühe Kindheitserinnerungen.
00:41:30: Ja wunderschön!
00:41:31: Danke für diese berührenden Erschilderungen.
00:41:34: Wir lauschen alle ganz andächtig und sind atemlos.
00:41:37: So ist es ganz toll.
00:41:39: Wir
00:41:39: haben uns auch ... In Locarno war er ja auch.
00:41:43: Da hatte Robert G. Beer ein größeres Haus gehabt hat man sich auch getroffen.
00:41:51: Meistens hat es sich bei uns getroffen, weil meine Mutter so eine Send nicht nur wunderschön war sondern auch eine sensationelle Köchin war
00:41:58: und... Es gibt
00:42:00: viele Fotos wo ich mit Robert G. Baer und seinem Sohn Stefan und Friedrich Holländer-Roveenzo
00:42:08: waren
00:42:08: oder eben bei uns zu Hause war, wo auch wieder Misha Spolganski uns besucht hat.
00:42:17: Wie gesagt, er war ein fester Bestandteil meiner Kindheit und für mich war er insofern faszinierend weil er der kleinste Erwachsene war den ich fand.
00:42:28: Und ich habe mir immer gedacht wenn er so klein ist sicher gerne mit mir spielen aber ich hab mich sehr bemüht ihn einzuladen.
00:42:38: Ich hatte auch einen Kaufladen und wollte
00:42:40: ihm auch was verkaufen von meinem.
00:42:42: Ich hatte viele Angebote angefangen vom Roten Papier, das ich extra für meinen Vater hergestellt habe.
00:42:47: Ich habe mir gedacht, dass kann er vielleicht auch gut brauchen.
00:42:50: Bleistifte und natürlich Waschpulver und alles hat es da gegeben in meinem Kaufland.
00:42:55: Aber wer hat gemeint?
00:42:57: Er braucht mich!
00:42:58: Und damit war die Unikation
00:43:01: schon wieder beendet.
00:43:02: Aber wie
00:43:03: gesagt, trotzdem sehr faszinierend.
00:43:06: und jetzt den Unterschied zu meinem Vater.
00:43:08: Mein Vater war ein sehr... Ein heiterer Melancholiker.
00:43:13: Und für mich war Holländer ein traubiger Melanboliker,
00:43:19: vielleicht
00:43:19: zur trotzdem die tiefe Verbundenheit zwischen beiden
00:43:26: Kollegen und Freunden.
00:43:27: Keine Konkurrenten sondern wirklich Kollegen und Freunde.
00:43:30: ja schön!
00:43:32: Ja das ist interessant.
00:43:33: es war also von der Seite meines Vaters her.
00:43:36: Es waren immer Kollegen und Freunde, und niemals Konkurrenten.
00:43:39: Weil es hat ja jeder so eine eigene Klangfarbe gehabt!
00:43:43: Und es ist ja schön wenn Musik in vielen Farben spielt... ...und das hat mein Vater zu schätzen gewusst.
00:43:50: Er war ein völlig leidloser Mensch.
00:43:54: Der hat
00:43:55: im Gegenteil sich verneigt von der Kunst
00:43:58: der anderen auch.
00:43:59: Wunderbar!
00:44:00: Lieber Isabette, wir wollen dich jetzt nicht abhalten vom Gang um den Wolfgangsee Und hier uns jetzt ein bisschen inspiriert durch deine Schilderung der Kochkunste deiner Mutter.
00:44:10: Wir werden jetzt hier eine kleine Kaffee- und Kuchenpause machen, und wir hoffen das wir dich bald in Berlin wiedersehen!
00:44:24: Ab September bin ich wieder in Berlin und es wäre wirklich schön wenn wir uns alle wieder sehen.
00:46:31: Sehr sehr gerne!
00:46:34: Vielen viel Dank und liefse Grüße!
00:46:54: Da hat sich der Rhythmus der Welt tatsächlich verschoben und ein Zyklon kommt um die Ecke gefegt.
00:46:59: Von wem denn, wer war das?
00:47:00: Das waren die wunderbaren WineTrop Syncopators!
00:47:04: Also diese Aufnahme ist vielleicht nicht unbedingt dafür gemacht dass man gut ein gutes Hörerlebnis hat aber einen unglaublichen Spaß finde ich
00:47:11: oder?!
00:47:12: Ja, also die Weintraubs sind tatsächlich nicht als schönes Tanzorchester aufgetreten.
00:47:17: Sondern sie waren performativ unterwegs.
00:47:19: Ähnlich wie auch die Bauhauskapelle in Dessau, die ja auch aus reinen Laien bestand und dann eben Professorinnen irgendwelche Instrumente ausprobiert haben, waren die Weindraubs alle Multi-Instrumentalisten.
00:47:31: Die haben auf der Bühne Klamau gemacht, die haben Boxkampf inszeniert und sich dabei gegenseitig die Instrumentes zugeschmissen, haben die Plätze gewechselt... Und ich finde diese Platte hört man das wirklich an!
00:47:40: Es geht nicht darum dass ihr Schönen muss... sondern diese Bühnen-Performance, die sie da zeigen.
00:47:44: Die haben sich jetzt mal akustisch wieder dargestellt und bringen so diese ganze Schrägheit der Performance irgendwie zu Gehör.
00:47:51: Das Ganze war jetzt ein eigentlich klassischer Jazz Titel Blue Skies.
00:47:55: Auf der Platte steht einer hat mich geküsst Und auf der platte steht noch was sehr spezielles Weil.
00:48:00: die Plattenfirma Odeon hat halt auch gesagt gut ihr seid die Weintraub Syncopators Syncopaters ist ja schonmal ganz toll.
00:48:06: aber wer ist weintraup?
00:48:07: Ja das ist der Stefan weintrab.
00:48:09: den haben wir demokratisch gewählt.
00:48:11: demokratisch gewählt, hieß man wusste nicht wie die Syncopators den heißen Säulen als Band und dann hat jeder seinem Namen auf dem Zettel geschrieben wurde in Zylinder geschmissen.
00:48:20: Und dann wurde durch Zufall Stefan Weintraub gezogen.
00:48:22: deshalb waren es dann die Weintraubs-Syncopaters.
00:48:24: Es hätten theoretisch auch die Schulvater-Syncopeters sein können.
00:48:27: Jetzt hat die Odeon aber gesagt die Plattenfirma Ja ihr habt da aber so einen tollen Pianisten Den kennt man ja schon.
00:48:34: Deshalb steht auf der Platte Friedrich Hollender mit seinen Weintraumsyncopaters Da haben wir gleich zwei Fliegen mit einer Klappe gespürt.
00:48:41: Die Winecrops waren tatsächlich Deutschlands erfolgreichste Jazzband und sie waren auch international dann später wirklich sehr, sehr erfolgreich.
00:48:50: Und was mich als Jazzmusiker auch fasziniert ist die neben dem Klamauk auch wirklich sehr guten zwar nachgespielten amerikanischen Jazz der Entzwanziger da geboten haben.
00:49:02: und man hört im Verlaufe ihres Weges auch dass ihr am Anfang quasi so Mitte zwanziger Da klang das alles nur so ein bisschen zickig und je weiter es denn in die Dreißiger ging, dann wurde schon ein bisschen geschmeidigerer Swingender Jazz.
00:49:18: Und das finde ich wirklich sehr interessant zu hören diese Entwicklung in den wenigen Jahren eigentlich.
00:49:24: Ja weil das entsprach tatsächlich auch dem Zeitgeist.
00:49:26: also die Orchester haben sich von Jahr zu Jahr neu erfunden und sich wirklich weiterentwickelt und es gibt so erste Swing-Aufnahmen, die in Berlin schon seit neunundzwanzig entstanden sind.
00:49:36: Aber da war Swing noch gar nicht erfunden!
00:49:38: Das waren einfach die Inspirationen durch internationale Musiker, die kamen hier gastiert haben... ...die Ben von Lattglaskin kamen... ...nurzehnzwanziger ist Josephine Baker aufgetreten... ...Nurzehntsechstenzwanzige kam Sam Wooding nach Berlin und hat wirklich originalen schwarzen Jazz nach Europa gebracht und so.
00:49:53: Also das ist alles ganz aufregend.
00:49:54: diese zwanziger Jahre waren so dass man eigentlich nie up to date sein konnte weil morgen war das was du heute gemacht hast schon veraltet.
00:50:02: Ja und an unsere lieben Hörerinnen und Hörern, wer da nochmal genauer sich informieren möchte kann in unserer Folge mit Stefan Wurte reinhören wie der Jazz nach Europa kam.
00:50:12: Da haben wir das alles schon mal behandelt!
00:50:14: Genau, da haben wir schon intensiv darüber gesprochen und es ist ein Thema wo immer wieder neue Aspekte und Gedanken auftauchen.
00:50:20: und ja ich sitze gerade an einem neuen Buch.
00:50:27: Das ist jetzt gerade eine Druckabnahme und soll heißen Swing in Berlin und mein Titel war die Dreckigen Dreißiger.
00:50:33: So durfte es jetzt aber nicht heißen, das heißt dann von den goldenen Zwanzigern in die gefährlichen Dreißige was ich ein bisschen heulsusig finde Aber Ich darf es intern immer noch die dreckigen dreißiger nennen weil die dreißiga sind halt dreckig.
00:50:46: Und da sind dann eben genau so eine Jazzgeschichten und Swing Geschichten auch drin und Es sind auch unsaubere geschichten drin diesen schönen und dass was ich probiert habe rauszuarbeiten weil das so ein Aspekt ist Der auch schon in den zwanziger Jahren mit Jazz immer in Verbindung gebracht wird, das ist eine Aufmüpfigkeit.
00:51:03: Es waren einfach dann in den dreißiger Jahren die unwilligen Volksgenossen, die sich diesen Jazz und Zwing angehört haben und praktiziert haben – und die durch gar nicht politisch empfanden.
00:51:13: Aber es war einfach gesellschaftspolitisch wichtig!
00:51:16: Man hat Stellung bezogen, man wollte Freiheit und Individualität ausleben.
00:51:19: Und das ist etwas was da natürlich in der Diktatur nicht funktionieren darf und funktionieren kann und nicht funktionierend soll Und dann, umso interessanter wird und trotzdem gemacht wird.
00:51:29: Es gibt eine wunderbare Dokumentation über die Weintraubs aus den Achtzigerjahren wo sie noch dem Best Boy der Band gefunden haben, der als Fünfzehnjähriger zu den Weintrobs gestoßen ist weil er Fan war.
00:51:39: und wir haben gesagt okay du musst bei uns in Ausbildung als Tourmanager Und der hat die begleitet.
00:51:43: Auch in die Immigration, das mit dem bis nach Australien gegangen.
00:51:46: Das war aber Zufall und es wurde noch ... Die Witt für Weintrop interviewt.
00:51:50: Es wurden die Witt-für-Schulfahrter interviewed Also es waren wirklich Zeitzeugen und das ist eine so unglaublich tolle Dokumentation, die diese Band wirklich in einem Licht darstellt wo du merkst Ja!
00:52:00: Die haben sich selber gar nicht ernst genommen.
00:52:02: Die waren aber seriös dabei.
00:52:06: Es wird heute so gerne so viel reininterpretiert, auch was was eben Widerstand angeht und so weiter.
00:52:12: Das habe ich da in meinem Buch eben auch darauf hingewiesen.
00:52:14: das ist eine Aufnüpfigkeit aber es ist kein gewollter Widerstand.
00:52:17: Das ist schon zu unterscheiden und das wird im Nachhinein immer so gerne politisiert und interpretiert und Ich finde es immer so schwierig.
00:52:24: Wir sprachen ja jetzt gerade von den Weintraubs und vom performativen Und da wäre es doch jetzt mal ganz gut, wenn wir jetzt mal den Meister Holländer selber hören könnten oder in diesem Zusammenhang.
00:53:24: Der konnte auch ganz gut singen.
00:53:45: Und die ganz große Zeit kommt da jetzt eigentlich noch, wir nähern uns jetzt so langsam dem Thema Film.
00:53:51: Ja und zwar dann gleich er hat den Stummfilm dann sozusagen ausgelassen und kam direkt zum Tonfilm und das auch nur per Zufall.
00:54:02: und es war der blaue Engel wurde vorbereitet und es wurde noch die Hauptdarstellerin gesucht Und Holländer bekam einen Anruf von seiner Freundin und Kollegin Lucy Mannheim.
00:54:17: Und sie meinte, Mann Friedrich du musst mich unbedingt begleiten!
00:54:20: Ich habe hier Probeaufnahmen und ich soll davor singen.
00:54:24: Wenn du mich begleitest dann hab' ich weniger Lampenfieber... ...und dann begleitet er sie eben zu den Probeoffnahmen von Sternberg.
00:54:35: Die Lucy Mannheim legte sich so richtig ins Zeug garantiert ganz grandios.
00:54:43: Leider hat der Regisseur gar nicht auf sie geachtet, sondern ernährte sich immer mehr dem kleinen Friedl und dachte was macht er denn da so?
00:54:52: Auf seinen Tasten war total hin und weg und engagierte dann eben Friedrich Holländer vom Fleck weg als Komponist für seinen Film.
00:55:02: die Lucy Mannheim wie wir alle wissen hat ja dann die Rolle nicht gekriegt.
00:55:08: Und jetzt wird es dann noch ganz spannend, weil Friedrich Holländer war zwar genial im Komponieren aber nicht gut im Instrumentieren.
00:55:16: und jetzt kommt dann also die wieder sehr lustige Geschichte was auch immer wieder völlig falsch dargestellt wird.
00:55:21: Es wurden da neue Probeaufnahmen gemacht mit diversen Künstlerinnen unter anderem auch Trüde.
00:55:25: Hesterberg wurde gefragt und war sehr überzeugt von sich und so.
00:55:29: und dann kam die völlig lustlose Marlene Dietrich.
00:55:32: Und da war es so, Friedrich Holländer war an dem Tag nicht im Studio.
00:55:34: Sondern die Probeaufnahme ist auch nicht mit Hollinder am Klavier gemacht!
00:55:37: Wenn man sich diese Probeausnahme ansieht sieht man die dicken Wurstfinger und sieht den dicken Speckkopf von hinten mit dem dicken Stiernacken.
00:55:45: Das ist Peter Kreuder der am Klaviersitzt.
00:55:47: Und Peter Kreuter und Marlene Dietrich haben bis in die Mitreißigerjahre viele Schallplatten gemeinsam aufgenommen sogar noch in Paris... ...und sie wird also vom Instrumentalisten der die Arrangements für die Weintraubs geschrieben hat, für den blauen Engel begleitet.
00:55:59: Das in dem Falle tatsächlich Peter Kreude.
00:56:01: Jetzt habt ihr sogar noch eine Welt-Sensation!
00:56:03: Eine Neuigkeit, ein neuerem Podcast... Ja und Marlene Dietrich hat tatsächlich diese Rolle gekriegt obwohl sie überhaupt nicht dran glaubte.
00:56:10: Sie war völlig desinteressiert.
00:56:13: Aber auf Friedrich Hollander, der glaubte nicht daran dass das was er da komponiert hat irgendwie Hand und Fuß hat.
00:56:18: Also er selber schrieb dann da irgendwas.
00:56:20: Konnte sich gar nicht vorstellen, dass diese Melodie irgendwie interessant ist und dann sang er da irgendwie so einen Schimmel dazu also sprich ein so eine Art stellvertretter Text.
00:56:31: Und irgendwann hieß es Ja, das ist es!
00:56:33: Und er konnte überhaupt nicht glauben, dass dieser aus seiner Sicht schwachsinniger Text von Ich bin vom Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt Dass jetzt der Text sein soll, der auch wirklich durchgeht und genommen wird.
00:56:45: Und Monate später sprach ihn dann mal, also ein Monat nach der Filmprämie, sprach ihnen einen Verleger an und meinte weißt du eigentlich dass dein Lied ein Welthit geworden ist?
00:56:57: Das konnte er selber überhaupt nicht fassen weil er das ja nur so runter gerotzt hat.
00:57:01: Und sowohl die Dietrich als auch er haben immer gesagt es ist eigentlich ein scheiß Lied!
00:57:06: Und ein schöner Grammatikfehler.
00:57:07: Männer umschwürgen mich wie Motten um das Licht.
00:57:10: So ein Quatsch.
00:57:14: Sonst kriegst du aber diese Silbe nicht hin.
00:57:16: Das ist richtig?
00:57:17: Ja, also man muss sich im Kabarett irgendwie behelfen zur Not mit Rondins.
00:57:22: Genau.
00:57:24: Und Friedrich Hollender hat er dann... Also wurde nicht nur plötzlich weltberühmt mit diesem Film sondern er hatte auch eine ganze Menge Geld bekommen.
00:57:33: und dieses Geld investierte er jetzt in die Erfüllung seines Traumes nämlich ein eigenes Kabarett zu machen.
00:57:41: und er beschreibt ein bisschen von der Zeit davor, dass er mit dem was er für Kabarett so komponierte das er sozusagen das perfekte Käsekuchen Rezept gefunden hatte.
00:57:53: und wie das so ist wenn man den richtig das richtige Rezept hat wollen alle immer nur diesen Käsekuchen.
00:57:58: Und ihm selber stand halt dieses Rezept sozusagen über den Ohren raus oder kann zu den Ohnen raus.
00:58:05: Mit der Erfüllung seines eigenen, also dieses Traum ist ein eigenes Theater zu gründen hatte er für sich ein neues Rezept finden können.
00:58:14: Es konnte schärfer sein und es konnte einfach machen was er dann wollte und das erfüllte er sich mit der Gage Vom blauen Engel.
00:58:24: Und gibt es einen Namen für das Rezept?
00:58:26: Aber selbstverständlich, das Rezip heißt Tingle-Tangle-Theater.
00:58:30: Tingle Tangle!
00:58:31: Großartig... Ich muss mal kurz einen Schritt zurückgehen.
00:58:33: wir haben glaube ich noch gar nicht diesen Namen Revuette eingeführt der auch ihm zu verdanken ist.
00:58:40: Ja
00:58:41: er selber wollte eine neue Form finden.
00:58:44: Und es gab die Revüen, die waren dann unglaublich große Ausstattungsrevüeien und er selber sagte dann ja man nehme tausend schlange Beinchen und lasse sie weg.
00:58:54: also er wollte ne Art von Essenz von diesen Revügen aber er wollte es nicht so aufgebläht haben.
00:59:00: Er wollte es kleiner haben und scharfer haben und deshalb nannte erst dann Revüette.
00:59:05: Ja, auch ein bisschen gegen seinen Vater.
00:59:07: Der ja eher so ein bisschen für das fleischliche Vergnügen auf der Bühne stand.
00:59:11: Genau!
00:59:12: Er wollte natürlich anders sein als sein Vater.
00:59:13: Er wollte ernster sein als dein Vater.
00:59:15: Ja und interessant.
00:59:17: also er ist nicht beim Film geblieben.
00:59:18: dann wo man denken kann okay war jetzt irgendwie eine sichere Nummer sondern geht dann eher wieder ein bisschen... Naja
00:59:23: schon sehr bekannte Filmmelodien geschrieben auch für große Stars.
00:59:27: Anders Den ging da nach Hollywood weil wirklich ein Weltstar kommt ursprünglich aus Russland.
00:59:32: Für die hatte den wunderbaren Hit ich weiß nicht zu wem ich gehöre dann Film-Einbrecher, wo der heute nicht politisch korrektes Song Ich lasse mir meinen Körper schwarz für Pinseln daraus stammt.
00:59:43: War auch ein wunderschönes Liebestouette Kind Dein Mund ist Musik Das originellerweise im Film
00:59:49: Nicht
00:59:50: live gesungen wird Sondern die Schallplatte die Greta Keller und ihr Ehrmann Joe Sargent aufgenommen haben werden Im film gespielt.
00:59:57: also es ist eine Tanzszene im Ballsaal im Palmen Garten vom Haus Vaterland Aber Es läuft Die SchallPlatte.
01:00:04: Das ist schon ganz interessant, dass man also ein modernes Medium präpariert hat und das dann im Film einfach quasi Playback hat laufen lassen.
01:00:11: So ist Leiter Greta Keller mit ihr, man nicht im Film zu sehen aber immerhin zu hören.
01:00:15: Aber natürlich wenn man das jetzt mit Heimann vergleicht der dann eben wirklich als musikalischer Leiter tätig war – das hat er nicht!
01:00:21: Er hat nicht so in diesem Sinne großkomponiert.
01:00:24: Er hat Songs dazu geliefert.
01:00:25: Na, Heymann war der musikalische Direktor der Ufer
01:00:28: gewinnen.
01:00:28: Genau, ja, genau.
01:00:28: Er hatte wirklich die Orchestrierung
01:00:30: und die Arrangements und auch die Kompositionen übernommen Und Rolenda war halt immer Freiberufler.
01:00:36: Er war nicht angestellt bei der Ufer, sondern er hat auch Filme gemacht und sehr viel Kabarett gemacht und was ihn immer interessiert hat konnte freigestalten.
01:00:45: Ein Heimann war dann eben doch etwas festgelegte durch seine Auftraggeber die Ufer
01:00:49: Und um so ein Dingeltangel zu betreiben, braucht man ja auch etwas Zeit.
01:00:54: Der musikalische Leiter der Orgisator macht ja eigentlich alles dort.
01:00:57: Komplett
01:00:57: alles!
01:00:58: Hat den Text geschrieben teilweise?
01:01:00: Er hat die Musik geschrieben er hat das ganze geleitet und inszeniert.
01:01:05: kennengelernt und mit reingebracht.
01:01:06: Das ist das Wichtigste, ja!
01:01:07: Es ist extrem wichtig!
01:01:10: Können wir zu dir noch etwas erfahren?
01:01:11: Aber natürlich...und zwar Hedy Schob die war damals Tänzerin.
01:01:15: wenn man jetzt so vom Ballett kommt würde man vielleicht sagen ob das jetzt Tanz ist aber es war genau dieses was du auch schon beschrieben hast dieses experimentierende eher so Ausdruckstanz grotesktansk Und die hat er mit ins Kabarett gebracht.
01:01:28: Die waren dann auch relativ bald verheiratet.
01:01:30: über die können wir nachher noch was erzählen weil mit ihr ging er dann auch ins ins Exil.
01:01:36: Was ich total interessant finde bei ihr, das muss eine wahnsinnig kreative Person gewesen sein.
01:01:42: Die hat dann über die Emigrationszeit ja nicht so viel zu erzählen werden.
01:01:46: Die hatte aber in der Emigration angefangen zu töpfern weil sie irgendwie das Ehepaar finanziell auch mit durchbringen musste.
01:01:54: und diese Töpferkunst sind ganz besondere Figuren und Vasen.
01:02:00: Die findet man heute noch auf Kleinanzeigen oder so, auf Etsy.
01:02:07: Man findet ganz viele von diesen Objekten noch.
01:02:09: Das war eine ganz erfolgreiche Tonwerkstatt dann später in Amerika und nur mal so am Rande ist es total interessant.
01:02:17: also Und die war dann eben auch mit dabei.
01:02:21: Auch im Diggeltagel Theater war sie dabei und ich habe mich zwischendurch in das Theater des Westens begeben Denn dort befand sich unterhalb des eigentlichen großen Theaters eine kleine Bühne, wo einst gute Hesterbergen ihrer wilden Bühnen sich als Grand-Dame des Cabarets bedätigt hat und dann eben ab neunzehntan dreißig das Tingeltangeltheater war.
01:02:44: Der Traum den sich Frédéric Hollender erfüllen konnte.
01:02:48: Heute ist hier keine Bühnung mehr es ist der Aufenthaltsraum für die Techniker des Theatres des Westens Und ich habe mich dahin führen lassen von Timo Butzmann Das Gedächtnis des Theaters.
01:03:00: Er war übrigens schon zu hören in unserer Folge zu Josephine Baker.
01:03:02: und nun hat er mich hineingelassen, umgeführt und mir erzählt zum Beispiel von der Eröffnung des Tingletangels.
01:03:10: Es steht, dass am siebten ersten einund dreißig das Tingletangle Theater eröffnet worden ist und vorher auch fleißig geprobt worden ist.
01:03:17: Und da stand halt die tollsten Leute auf der Bühne, Landini Ebinger, Trudi Hedischok
01:03:22: usw.,
01:03:22: eine ganze Latte.
01:03:25: Und am sieben ersten, einundreißig hat sich Marlene Dietrich auch halbwegs angekündigt und dann ist die tatsächlich aufgetaucht an dem primären Abend.
01:03:33: Und es gibt noch einen Foto das gemacht worden ist von Marlene Dietrich und ihren Ehemann.
01:03:38: Den Ehemmann hat sie später von dem Foto abgerissen.
01:03:42: Das kann man heute nur sehen!
01:03:44: Und er hat auch Tage hochgeschöpft und geschrieben... Da steht drin eine Flasche Klyko-XVIII Reichsmark mit Mutti.
01:03:53: Also die waren wirklich hier am siebten Ersten und haben den Champagner
01:03:56: geschlüpft.
01:03:56: Ich durfte mich dann dahinsetzen, wo angeblich auch Malide Dietrich I platziert wurde.
01:04:02: Timo hat mir erzählt von Hollenders Engagement.
01:04:06: Richard Hollender hatte in einem Figett auch reingebutt und wenn man so sieht alleine die Leuchttmitte, die hat er bei Arno am Serini Platz gekauft.
01:04:13: und wer sich noch ein bisschen dran erinnert dieses Lampenchef gab es auch lange.
01:04:17: Es waren alles hochpreisige Sachen.
01:04:19: Es standen noch zwei Flügel in dem Saal, einer Seite und eine auf der Bühne... Das war schon ziemlich noble auch
01:04:24: alles!
01:04:26: Die Leute hier, die hergegangen sind, den war das ehrlich gesagt scheißegal auch was ne Karte kostet sondern es war einfach nur mit dabei sein, eins sein und es war wie ein Familientreffen glaube ich jedes mal so.
01:04:38: Und
01:04:38: die Künstler mussten mehr als nur real Kunstcelebrieren hier?
01:04:42: Ja wenn du ins Bauarchiv gehst und man da hin darf wirklich mehrere Akten über das Dingetange-Theater.
01:04:50: Da haben die sich hier vormittags, mussten hierher so unter anderem der Friedrich Holländer teilweise auch Darsteller, die dann abends so aufgetreten sind und tagsüber so Schreibkram-Übernahmen haben.
01:05:01: dazu zählte zum Beispiel Viktor Palfi.
01:05:04: Und es weiß ich auch nur weil Bauanträge oder Abmahnungen aus von einer Baubürde von Victor Palfien, Friedrich Zum Beispiel haben sie eine Leuchttriklamme von der Kanzstrasse nicht angemeldet und haben sich dafür entschuldigt.
01:05:19: Und haben sie Rückwürfen nochmal angemeltet, mussten dafür noch mal Geld zahlen, wahrscheinlich auch noch mal eine Strafe.
01:05:25: Also die hatten unheimlich viel mit den Behörden zu tun um so etwas gestattet
01:05:28: zu werden.
01:05:29: Es gab übrigens auch Gastronomie hier also ähnlich wie wir das kennen heute vom Wintergarten oder vom Tippi bei jeder Vernunft.
01:05:37: Ja es gab Gastronomie ganz sicher kannst du ja in einer Flasche Champagner bestellen.
01:05:41: Ja, da hatte ich von Olmer so drüber nachgedacht.
01:05:43: Teilweise stand auch auf Werbeanzeigen, weil das ja auch früher mal ein Weinrestaurant war.
01:05:48: und da dachten die Leute, glaube ich, wenn sie hier müssen, müssen sie auch was essen oder was trinken und dafür auch nochmal Geld ausgeben.
01:05:54: Da steht dann oft drauf, ihr kein Wein zwang!
01:05:56: Also man musste nicht hierher, um auch etwas trinken zu müssen, wenn man eine Eintrittsgarte hatte...
01:06:02: Timo hat mir dann noch berichtet von dem Schwager von Marlene Dietrich.
01:06:06: Was er wirklich sehr beeindruckend ist, dass der Schwager vom Marlene Dietrich eigentlich ursprünglich diese Räumlichkeiten zu der Zeit gemietet hat oder gepachtet und hat sie dann quasi an Friedrich Holländer wieder untervermietet.
01:06:20: Das war Georg Willen Und er hatte später auch eine schöne Sache Er hatte einen Kinokonzentrationslager und so weiter gehabt.
01:06:27: Deswegen hatte Marlene Lietrich glaube ich keinen Oder sagen wir mal, hat immer ihre Schwester dann auch so ein bisschen verleumelt als sie gar nicht geben würde.
01:06:36: Und Georg Will hat es an Friedrich Hollen derzeit vermietet und vielleicht ist das auf einer Gründe... Ist sie jetzt wie ein Friedrich Holländer hier gekommen oder ist sie wie im Schwager hier gekommen?
01:06:45: Oder hat sich gedacht, jetzt habe ich zwei Fliegen mit einer Klappe gesucht mal an und war mal da.
01:06:50: Das ist auch nicht so richtig überliefern.
01:06:52: Und Jörg Will hat sich auch sehr gerne selber in Szene gesetzt als künstlerischer Leiter.
01:06:57: Der steht im Programm auf der künstlischen Leitung und dann so Friedrich Holander erst so darunter.
01:07:01: Also er hat sich so ein bisschen die Scepter versucht aus der Hand nehmen zu lassen.
01:07:11: Ja, und für Holländer bleibt gar nicht so viel Zeit mehr bis neunzehntreiunddreißig.
01:07:16: Ich habe zu Hause ein zwei Originalprogramme, zwei Programme heften.
01:07:21: Das ist hier erstmal Spuk in Villa Sternen.
01:07:23: also er steigert sich immer mehr umfang.
01:07:27: es ist auch höchste Eisenbahn heißt dann ein Programm also ein Theaterstück was ja oft geführt worden ist Merkst richtig, wie langsam die Nazi-Zeit so anmarschiert kommt und höchste Eisenbahn sagt ja alles.
01:07:39: Also wir müssen mal langsam den Koffer packen.
01:07:41: es wird langsam eng für uns und dementsprechend sehen auch die Programmfolgen.
01:07:45: also sie haben geahnt was passieren wird und nachher zum Reichstagbrand war das natürlich klar.
01:07:52: Wir haben dann nach dem Reichstagrand eher einen Koffe gepackt.
01:07:56: Das waren wir wieder.
01:07:56: spannende Einblicke von Timo, dem Archivar vom Theater des Westens.
01:08:01: Vielen Dank.
01:08:01: und jetzt geht es zurück zu unserem Cafetisch und zu Inka.
01:08:07: Papst!
01:08:10: Du hattest vorhin noch etwas bemerkt oder gesagt zu Marlene Dietrich?
01:08:14: Dass nicht alle vielleicht so begeistert waren...
01:08:17: Ja, es waren nicht alle so wahnsinnig begeistert, dass sie zur Premiere erschienen ist.
01:08:22: Und zwar die anderen Darstellerin nämlich nicht!
01:08:24: Es war das erste Mal, dass Sie ja in Berlin erschienen nach der Premiere von Blauen Engel.
01:08:30: Sie selber war bei der Premierenfeier gar nicht anwesend.
01:08:33: Sie ist direkt nach dem Screening ab aufs Schiff und ab nach Amerika.
01:08:39: Zum Zeitpunkt der Premiere war sie zum ersten mal wieder in Berlin Und tauchte auf und das Publikum war natürlich total begeistert.
01:08:48: Die konnten eher noch nicht richtig applaudieren, weil sie nicht bei der Premiere des Blauen Engels war.
01:08:53: Also sollten sie das nachgeholt werden.
01:08:56: Sie wurde aufgefordert in der Pause bitte schön ihre Lieder vom blauen Engel darzubieten!
01:09:02: Das Publikum applaudierte und war hellauf begeistert.
01:09:05: Wer weniger begeistered war, das war unter anderem Blandine Ebinger.
01:09:10: Die hatte nämlich ihre große Nummer erst im zweiten Set!
01:09:13: Und dachte dann ja scheiße wie soll ich denn jetzt hier auftreten?
01:09:18: Ich habe doch gar keine Chance mehr.
01:09:20: gegen die Dietrich kommt man doch nicht an.
01:09:23: Sie kam allerdings an also da war sie etwas zu ängstlich.
01:09:26: aber das war so.
01:09:27: die Befürchtung der Kolleginnen die es nicht ganz so schick
01:09:29: fand Also die Ex von Friedrich und die Neue waren gleichzeitig da auch noch dazu, ne?
01:09:35: Die waren beide da.
01:09:35: Wahnsinn!
01:09:36: Und Marlene... Wie hat sich das Verhältnis Marlene Friedrich entwickelt?
01:09:39: also haben sie sich beim Blauen Engel kennengelernt?
01:09:43: Wenn ich ehrlich bin, ich kenne da verschiedene Geschichten was ich daraus mir rausfische ist.
01:09:48: Sie kannten sich im Vorfeld.
01:09:50: Auch Friedrich Holländer war der Meinung, er hätte gesagt, guckt euch doch mal die Dietrich an.
01:09:56: Sie würde gut auf die Rolle passen.
01:09:58: aber auch die Frau vom Produzenten war der meinung sie hätte gesagt guckt ihr doch Mal die Dietrich an.
01:10:02: also irgendwie will jeder die Dietrig vorgeschlagen haben.
01:10:06: ich weiß jetzt nicht so richtig
01:10:07: der Karl Vollmöller auch
01:10:10: genau von da hat das weiß Ich nicht so ganz.
01:10:12: Aber Die kannten sich Auf Jeden fall und Es War auch friedrich Hollander Der Marlene Dietrich so heimlich zugesteckt hatte im Café mal, du bist es.
01:10:23: Also sie wusste das noch nicht, er wusste es und sie liest dann den Champagner liefern.
01:10:30: Ja irgendwie würden wir uns gerne mal was anhören, was da im Tingle-Tangle Theater gelaufen ist.
01:10:37: Stefan hast Du was?
01:10:39: Ja leider nicht die Originalaufnahme von Convoir.
01:10:42: Die ist so verdammt selten.
01:10:44: Und auch extrem selten ist die vom Tanzorchester Hans Bund mit Arthur Hill.
01:10:47: Arthur Hill kennt keiner mehr, aber der war Filmsänger und tauchte auf die Rückseite.
01:10:52: Der Tango macht mir jetzt nicht so schwer!
01:10:53: Da ist er die Original-Filmbesetzung.
01:10:55: War damals ein nicht unbedeutender Tenor, der heute völlig vergessen ist... Aber er singt Friedrich Holländer reizend!
01:11:01: Du bist
01:11:07: ganz reisen.
01:11:09: Ich hätte nie gedacht,
01:11:10: bevor ich dich gekriegt.
01:11:12: Dass du so reisen bist, ach du reißt es!
01:11:15: Wer ist ganz reizen?
01:11:17: Wer hat Gewicht und dieses
01:11:18: Wort verwendet?
01:11:19: Und mich auch so reizen, wenn das Reisen... wer dachte ich
01:11:24: reizen?!
01:11:25: Wenn auf der Straße auf uns zeigt er einen ganzen Menschenschwarmsprecherreizen.
01:11:30: Sieht ihr nicht so reiten?
01:11:33: Ist das nicht die Wirklichkeit?
01:11:45: Es wurde halt immer enger.
01:11:46: Also jetzt geht es dann auch wirklich los, dass die ganze Stimmung in Deutschland enger wurde und die Vorstellungen auch langsam... gestürmt wurden kann man jetzt nicht so unbedingt sagen, aber dass dann schon irgendwelche Nazi-Leute im Publikum saßen und gebuht haben.
01:12:09: Und Friedrich Holländer auch auf die Finger gespuckt haben und so.
01:12:12: also es wurde dann schon ganz schön brenzlig und gerade die letzte Revue der er rausbrachte höchste Eisenbahnen Das war auch höchste Eisenbahn.
01:12:23: Also es war einfach klar, dass das wann war da die Premiere?
01:12:26: Zweiunddreißig oder im Januar dreiund dreißig?
01:12:29: Es endet ich glaube Dezember zweiunddreißig also kurz vor der Machtergreifung und das merkte man einfach auch diesen Revue an.
01:12:38: Ja, und er hat ja voll schon einen Spuk in der Willer Sternen.
01:12:40: Hatte ja schon ganz konkrete Anspielungen gemacht.
01:12:43: Ich bin der Spuk persönlich, Rausche mit Frufru hihi, ha-ha wa-wa... Kein Ars hat sich erschreckt!
01:12:48: Und dann kommt die letzte Strophe ich bin der kleine Hitler und beiß plötzlich zu.
01:12:52: Also es wurden wirklich die Sachen beim Namen genannt.
01:12:55: Da hat Holländer die Texte geschrieben und die Musik nicht zu jedem Stück.
01:12:58: also das Stück Die Juden sind an allem Schuld dass in einer unveröffentlichen Aufnahme Der wunderbaren Anne Marie Hase existiert und dann auf eine CD mal veröffentlicht werden konnte.
01:13:07: Da hat er sich einfach bedient, der Habaniera aus der Karmen und hat darauf aber eben einen völlig unglaublichen Text geschrieben.
01:13:14: Ob der Dietrich dich versteuert?
01:13:16: Ob die Dietrich von Kopf bis Fuß also spielt auch noch auf sich selber an... Also dieser Humor da auch drin ist bei alle bitteren Bedrohung, die da existiert.
01:13:25: Ob der Prinz auf Wels schwul oder einen harten Stuhl?
01:13:28: Die Juden sind an allem schuld und das ist doch vielleicht absurd!
01:13:31: Und da wäre die Premiere ja September neunzeirteinunddreißig Mitte September zeitgleich nur noch mit den Krawallen, die auf dem Kudamm stattgefunden haben.
01:13:39: Krawahlen wo jüdische Geschäfte, Cafés usw.
01:13:41: geplündert wurden, rendaliert wurde also da es wirklich bald höchste Eisenbahnen war.
01:13:45: Ja
01:13:46: Wie kommen wir jetzt aus dem Schlamassel raus hier?
01:13:48: Wir kommen aus dem Schlawassel, kommen ganz einfach raus Indem wir mit ihm flüchten.
01:13:54: Stimmt aber nicht!
01:13:55: Stopp, bevor wir flüften... Er hat eine Filmregie gemacht.
01:13:59: Ihm wurde eine Film-Regie zugetragen.
01:14:01: Ich und die Kaiserin mit Lilian Harvey in der Hauptrolle.
01:14:06: Und da gibt es dieses wunderbare, wunderschöne wahre Lied Wie habe ich nur leben können ohne dich?
01:14:14: Jetzt würde ich euch gerne unsere Alexandra Broneske ans Herz legen, die dieses Lied so zauberhaft singt dass man wirklich davon schweben möchte.
01:14:22: Es ist ein ganz traumhaftes Chanson und er durfte bei der Premiere von dem Film noch mit auf die Bühne als jüdischer Komponist und Regisseur aber dann musste er wirklich weg.
01:14:40: Er flüchtete mit Hedy Schob, er war in England.
01:14:43: Er hatte einen britischen Pass und die sind dann erst mal geflüchtet.
01:14:47: Ich bin mir nicht sicher ob er vielleicht bei einer Filmpremiere auch in England war und sie beschlossen dort zu bleiben.
01:14:53: Er bekam aber den Ruf aus Deutschland.
01:14:55: ach so schlimm ist es nicht.
01:14:57: kommen wieder zurück Und dann kam er wieder nach Deutschland zurück.
01:15:02: Sie liefen so auf ihre Wohnung zu und sahen die Spiegermutter, also Hedis Mutter am Fenster winken.
01:15:09: Und sie wegscheuchen.
01:15:11: Es gab einen Zeichengeber da drüben mal in die Kneipe.
01:15:15: Dann kam dann die Spiegermutter und sie meinte, die Gestapo ist oben in der Wohnung es wird alles zerstört.
01:15:22: ihr müsst sofort das Land verlassen.
01:15:26: Das taten die auch?
01:15:27: Dann gab's eine Taxifahr zum... zum Bahnhof Friedrichstraße, die er sehr eindrücklich beschreibt.
01:15:37: Sowohl in der Autobiografie als auch im Porträt, was über ihn gedreht wurde – ich glaube, in twohneinzehntseinzebzig und wie ... Diese Atmosphäre in diesem Taxi.
01:15:48: Sie wissen ja nicht, was ist das für ein Taxifahrer?
01:15:50: Wie ist er drauf?
01:15:52: Wie verhält man sich jetzt?
01:15:53: Verhält man es sich eher unauffällig so dass der vergisst, dass man hinten drin sitzt?
01:15:57: Das bietet man ihm lieber eine Zigarette an also holt man ihn so auf seine Seite ist man eher so der Kumpel.
01:16:04: Also das war ... beschreibt ja sehr eindrücklich, was da so durch den Kopf geht.
01:16:11: Welche Möglichkeiten man als Flüchtende hat.
01:16:15: und sie kommen tatsächlich in eine Straßensperre herein Und Hedy drückt ihn runter auf dem Sitz und wirft alle möglichen Koffer auf ihm drauf und sie selber ganz blond und schäkert mit den Nazi-Jungs rum und so nahe Hitler und durften dann weiterfahren.
01:16:34: Und dann kommen sie eben am Bahnhof Friedrichstraße an und nehmen den nächsten Zug, der geht nach Paris.
01:16:45: Diese ganze Zeit bis Sie die Grenze überschritten hatten, gehen Sie alle möglichen Gedanken durch – wer könnte uns helfen?
01:16:52: Aber hey, du bist doch gar nicht ... Du bist doch arisch!
01:16:56: Du kannst doch bleiben!
01:16:57: Also diese ganzen Gedanken auf diesem Weg von zu Hause... bis nach Paris und ist so eindrücklich.
01:17:07: Auch der Holländer als alter Mann, im Jahr twoundseinzehnte, den bricht die Stimme weg und erweint.
01:17:13: Es ist wirklich wahnsinnig emotional!
01:17:17: Ja dann geht es irgendwann nach Hollywood?
01:17:20: Genau.
01:17:20: Und
01:17:20: wer erwartet ihn da?
01:17:22: Fast sehnsüchtig.
01:17:23: Lillian Harvey!
01:17:24: Und Marlene Dietrich auch?
01:17:25: Ja,
01:17:25: aber zuerst Lillien Harvey tatsächlich.
01:17:28: Sein Erster war in Paris im Hotel Ansonia was damals so ein typisches Auffanglager für Exzellanten war und Eric Pomer der Filmproduzent war schon in Amerika und er rief ihn zu sich und er hatte also dann einen drei Monatsvertrag kam dann nach Amerika und macht einen Film mit Lilian Harvey.
01:17:48: Das ist tatsächlich seine erste Arbeit in den USA, der Film war nicht so erfolgreich.
01:17:54: dadurch bekam er kein Volker keine Vertragsverlängerung Und hatte eigentlich ein Rückverticket.
01:18:02: das ließ er sich aber auszahlen.
01:18:04: und mit seiner Gage und Mit dieser ausgezahlten Fahrkarte was macht ihr gute Mann?
01:18:10: Er gründet!
01:18:11: Ein Kabarettheater!
01:18:14: Zu dem Lilian Harvey Film gibt es noch eine kleine Anmerkung.
01:18:17: Es gab einen sehr erfolgreichen Schlager, der auch in Deutschland bekannt wurde.
01:18:20: Der heißt Eskimo Eis und das ist das erste Mal überhaupt dass in Deutschland ein Lied von Friedrich Holländer veröffentlicht wurde wo sein Name unterschlagen wird.
01:18:28: Es steht nur der Textdichter drauf für den deutschen Text.
01:18:31: Er als Komponist wurde da unterschlagen.
01:18:33: Erstaunlicherweise tauchte er dann aber auf Schaltplatten von neuzartfünfunddreißig, sechsten dreißig siebenunddreißig acht und dreißzigneinunddreaißig namentlich genannt wieder auf.
01:18:42: Das ist also sehr irre.
01:18:43: ich habe in meiner Sammlung wirklich Platten von Bob Crosby und Mildred Bailey zu stehen wo die Lieder von Hollander singen und sein Name steht auf dem Etikett.
01:18:50: und dann ging man so Moment!
01:18:52: Aber mit den Rassegesetzen passte das nicht mehr und die Plattenfirmen waren also so dumm und Zensur war so willkürlich Und wir haben dann halt nicht begriffen dass der Frederick Hollander tatsächlich der Friedrich aus Berlin ist, der kleine Fritz und jetzt als der große Fredrick in Amerika aktiver.
01:19:08: Also das sind so Schlupflöcher die unfreiwillig passiert sind.
01:19:14: aber ich denke schon, dass etlich von den Fans auch von Hollander sowas bemerkt haben Und heilfroh waren.
01:19:20: da gab es einen Schlupffloch.
01:19:21: Das deckt sich wieder mit dieser Aufmüpfigkeit Die immer wieder auftaucht, die der Jess ausmacht, die das Fing aus macht und die dann gerade in den dreißiger Jahren beim Überleben auch geholfen hat Ja.
01:19:33: Es gab in den Immigration, dann in Hollywood natürlich einen wunderschönen Film mit Marlene Dietrich der hier auch in Deutschland noch gezeigt wurde als ihr letzter Film bevor sie dann also als Persona non grata erklärt wurde.
01:19:44: Der Film heißt Desire Sehnsucht und er wurde damals in Originalfassung mit Untertiteln gezeigt steht auch im Filmprogramm Und da drin ist eben auch eine wunderschöne Friedrich Hollinn der Nummer Awake In A Dream Was die Dietrich leider selber nie auf Platte aufgenommen hat, aber es gibt eine sehr hübsche Version von Paul Whiteman und ist dann tatsächlich in Deutschland rausgekommen.
01:20:03: Und dann steht bei Elektroler auf dem Metikett aus dem Marlene-Dietrich-Tonfilm Desire Sehnsucht.
01:20:08: Dann sagt er toll was will man mehr?
01:20:10: Und drunter steht Friedrich Hollender oder?
01:20:12: Super das ist ja eigentlich noch viel einer guten alten Zeit!
01:20:15: Das ist schon so dieser unglaublich miese Spuk der sich da zwölf Jahre lang abspielte Die ersten sechs Jahre ja noch ohne Krieg.
01:20:25: So eine Zeit, die so belastend ist und solche Löcher gerissen hat.
01:20:29: Und eigentlich ist es in der Relation gesehen immer nur ganz kurz.
01:20:32: Und Friedrich Holländer hat ja dann tatsächlich auch nach dem Krieg mit Marlene Dietrich gleich wieder einen nächsten Erfolg, der in Deutschland spielt... ...und die Dietrich-Platte hier auch verkauft wurde!
01:20:42: Nämlich Black Market aus The Foreign Affair, eine fremde, auswärtige Angelegenheit.
01:20:47: Ein unglaublich toller Film, der im Nachkriegsberlin spielt und zerstört nach Kriegsberlim.
01:20:53: Ja.
01:20:54: Das ist ein Lied leider zu spät für unseren Podcast seitlich, aber ihr könnt es euch natürlich woanders anhören bzw.
01:21:01: guckt euch am besten den ganzen Film an weil das wirklich einer der besten und intensivsten Berlin-Filme.
01:21:07: Ja wir sind wieder in Deutschland zumindest und Holländer kommt dann wie wir auch gehört haben von Elisabeth Trautweinheimern zurück.
01:21:15: sie treffen sich in München.
01:21:17: er Bleibt dann ja auch in München?
01:21:20: Ja und nein.
01:21:21: Also er kam erst mal zweiundfünfzig zurück nach Deutschland, kurz besuchte das zerstörte Berlin Und wie er selber sagt, er weiß nicht welcher Teufel ihn geritten hat.
01:21:31: Er sah sich auch Dachau an Wo Teile seiner Familie ermordet wurden Und musste schlagartig das Land verlassen.
01:21:41: Wie ich das so rauslese aus allem was ich so erfahren habe war dass das traumatischste Erlebnis überhaupt.
01:21:51: Zu glauben, man kommt in seine Heimat zurück und dann kriegt man diese ganzen Gräueltaten so direkt mit.
01:21:56: Das muss ihn wahnsinnig erschüttert haben!
01:21:59: Und kam dann aber letztendlich fünfundfünfzig endgültig zurück nach Deutschland ging dann nach München.
01:22:05: richtig war dann aber später auch in Ascona.
01:22:07: sehr viel also.
01:22:09: ich weiß nicht ob das da mit dem Alter zu tun hat dass man sich gerne so in wärmere Gefilde.
01:22:16: Vielleicht spielt er deshalb in dem schönen Schossort Zürze auf Ascona an.
01:22:20: Ah, Zürzel?
01:22:21: Sie kann noch Zürzel!
01:22:22: Den ersten Zauberer, den es gab mit Schürze.
01:22:27: Und der schrieb dann einige Schossorsen und war dann wieder in München, war der an der kleinen Freiheit tätig und hat, wie ich finde mindestens zwei seiner absoluten Sahne-Stückchen geschrieben, die absolut großartig sind.
01:22:43: Nämlich eben Zirze und Stroganoff – das sind Filetstücke vom Feinsten!
01:22:49: Das sind unglaubliche Texte!
01:22:52: Die schrieb er dann in dieser Zeit und dann verabschiedete er sich aber langsam aus der Musik.
01:22:57: Sie wurde ihm einfach zu geräuschvoll.
01:23:00: Vielleicht war er auch frustriert?
01:23:01: Er schrieb dann wie so eine Art Abschiedsgeschenk, Spötterdämmerung... Clown, du hast deine Stellung verloren.
01:23:09: Sieh dich nach einer neuen
01:23:10: um.".
01:23:11: Also er war schon auch... Da schwingt was verbittertes mit und er merkte, er kann mit Kabarett überhaupt nichts mehr sagen!
01:23:19: Er versteht dieses Deutschland nicht, er versteht diese Menschen nicht und zog sich dann zurück, um zu schreiben.
01:23:26: Er hat dann in der Autobiographie von Kopf bis Fuß geschrieben.
01:23:31: Und dann in dem Jahr twohundzehne kamen gleich drei Romane von ihm raus die Witzbombe und wie man sie legt immer ärger mit dem Echo und ich starb an einem Dienstag.
01:23:41: das sind so eher ein bisschen philosophische Spielereien mit sich selber, so würde ich diese Texte ein bisschen beschreiben.
01:23:51: Bevor wir uns musikalisch mit einem kleinen Medley von Friedrich Hollener verabschieden haben wir noch etwas anderes Kleines und zwar haben wir einige Zitate über ihn die er für uns in Kage liefert aus dem
01:24:05: Buch
01:24:06: Spötterdämmerung.
01:24:06: tatsächlich das ist auch der Titel eines Buches Über ihn von Volker Kühn.
01:24:11: Das werden wir in unseren Sendungsnotizen dann auch aufhören.
01:24:16: Und ja, wir wollen einmal reingehen.
01:24:18: Jeder kommt ein Zitat!
01:24:21: Er war immer ein Genie gewesen von Kopf bis Fuß.
01:24:24: das kann ich beschwören.
01:24:26: Ein Genie Billy Wilder.
01:24:29: Er war ein Zauberer.
01:24:30: er wollte mich verzaubern.
01:24:31: jetzt wusste ich es.
01:24:33: Vorsicht dachte ich gleich soll der mich verwandeln?
01:24:37: Belandine Ebinga.
01:24:40: Wie sagt man bitteres liebenswürdig?
01:24:42: Und wie sagt man bitter liebenswürdiges Witzig?
01:24:44: Wie baut man die Refrarzeile, damit sie als geschmeidige Achse das Karussell der Strophe trägt.
01:24:49: Glauben Sie mir!
01:24:50: Es gibt keinen besseren Kabarett-Lehrmeister als Friedrich Holländer – Günter
01:24:54: Neumann.".
01:24:56: Dann ist er aber ganz und gar allein Friedrich Holander, der die besten Texte schreibt, die heute bei uns geschrieben werden.
01:25:04: Kurt Heutzki
01:25:06: Der unermüdliche Fanatiker der Heiterkeit.
01:25:09: Es ist eine ernste Arbeit, Kleinkunst?
01:25:12: Was um alles in der Welt ist dann Großkunst?
01:25:14: Erich Kästner.
01:25:24: ist der richtige Hollender über Holländer.
01:25:39: Ja,
01:25:40: ein schöner kleiner Überblick und das war auch ein großer großer Überblick zu Friedrich Holländer und wir wollen mal kurz auf dein wunderbares Buch von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt kommen denn man kann ja einen Exemplar gewinnen!
01:25:55: Was müsst ihr dafür machen?
01:25:57: Wir haben uns überlegt, ihr stellt euch einfach vor wie Friedrich Holländer in Berlin irgendwann zwischen, sagen wir mal... und seine Exilzeit trefft.
01:26:07: Und was ihr mit ihm erlebt!
01:26:09: Das finde ich eine gute Idee.
01:26:10: Sehr schön.
01:26:10: Und die schönste Geschichte gewinnt das Buch.
01:26:13: Bitte schreibt uns an postatgold-staub.de.
01:26:17: Die offizielle Buchpräsentation wird stattfinden am fünftzehnten Oktober Also kurz vor seinem hundertdreißigsten Geburtstag im Haus der Sinne in der Isterter Straße in Berlin.
01:26:30: Genau, und auch weil wir den Geburtstag ganz groß feiern wollen.
01:26:34: Wir mit dem Berliner Vokafone können... ...wir haben eine ganz eigene Revue ihm gewidmet die Friedrich-Holländer Revue.
01:26:40: Und da haben wir am Freitag, den vierundzwanzigsten Oktober im Theater Ost in Adlershof.
01:26:47: In den ehemaligen Fernsehstudios sind wir da um zwanzig Uhr mit der Friedrich Hollander Revue hier in Berlin Erste November in der Händelhalle, in Halle.
01:26:57: In Halle?
01:26:57: Jetzt hast du gar nicht erwähnt das muss ich jetzt machen!
01:26:59: Du bist doch bei uns in der Ausstellung Romanischen Café und wir freuen uns sehr dich da zu begrüßen.
01:27:05: Das
01:27:06: wird am vierzehnten Oktober also ein Tag... das ist natürlich sehr special ne?
01:27:10: Ein Tag vor der offiziellen Buchpräsentation sind wir bei euch im romanischen Cafés um neunzehnunddreißen.
01:27:15: Also alles in den Episodennotizen.
01:27:17: Ja, wir danken natürlich auch noch euch allen.
01:27:20: Inka, Walter, Stefan, Elisabeth Und Timo?
01:27:25: Also ich sag vielen herzlichen Dank, das war mir eine große Freude.
01:27:28: Es hat einen riesen Spaß gemacht,
01:27:30: euch zuzuhören!
01:27:31: Ja und danke dass sich so meine musikalischen Schätze als Illustration mit dazu schmeißen durfte.
01:27:36: Ja
01:27:36: und davon hängen wir jetzt noch mal in ein paar Reihen oder?
01:27:39: Jetzt kommt sozusagen das Beste von dem Besten die Sahnehäubchen des Schönsten.
01:27:44: Ihr werdet euch wundern wie viele von den Songs ihr kennt... ...und nicht wusstet, dass sie
01:27:49: von für dich mal anders sind.
01:27:51: Danke fürs Zuhören und bis sehr bald
01:28:11: Tschüss!
01:28:32: Denn sobald ich gar zu glücklich wäre Hätte ich heimwäh nach dem Traurin.
01:29:04: Ich weiß
01:29:06: nicht, wie mich gehören.
01:29:49: Ich bin dein
01:29:52: süßes Nachtgeschwänzt.
01:29:54: Ich weck
01:29:54: dich, wenn du Pensoffest
01:29:56: du mich liebbrinkt nennst.
01:29:59: Sei bloß nicht so erschreckend!
01:30:02: Du wirst nur auch gedenkt und weckt auf... Gedeckt,
01:30:06: dann wirst du wieder
01:30:07: zugedeckt.
01:30:49: Das war Goldstaub, der zwanziger Jahre Podcast von und mit Else Edelstahl und Arne Krasting.